Mein letzter Zumbakurs mit meiner Tochter….wir stören

Mein letzter Zumbakurs mit meiner Tochter….wir stören

Im Augenblick bin ich total traurig und ungerecht. Ich erzählte vor kurzem noch, wie schön der Zumbakurs mit meiner Tochter (Downsyndrom) sei. Doch Gestern wurde ich auf den Boden der Tatsachen geholt.

Wenn sie zu sehr auf die Frauen zuging, habe ich diese immer angesprochen. Doch die hörten gar nicht zu und signalisierten, es ist okay. Ich habe das geglaubt, als Autistin konnte ich die Floskel dahinter nicht erkennen.

Meine Tochter stand in der ersten Reihe, tanzt oft eigene Dinge und versuchte in den Kontakt mit der Leiterin zu kommen.

Ich war so stolz auf sie, weil sie schon den einen oder anderen Schritt gelernt hatte. Und fühlte mich wohl, weil ich selbst Fortschritte machte.

Meine Tochter ging vor mir raus, da sprach mich die Kursleiterin an. Ob meine Tochter bitte hinten in der Ecke tanzen könnte, sie stört die Konzentration von ihr und den Teilnehmerinnen.

Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Und konnte mich nicht richtig artikulieren. Als ich sagte, dass ich nicht wüßte, wie ich das machen solle, sahen mich alles Frauen fassungslos an, und die Kursleiterin sagte nur:“Du bist doch die Mutter!“

Und da fiel mir nichts ein zu sagen. Ich wollte auch nicht, das meine Tochter hinten in der Ecke tanzt, wenn sie sich einen Platz aussucht der vorne ist.

Traurig und mit Tränen verließ ich den Raum. DieKursleiterin hätte nichts dagegen wenn sie kommt, solle aber hinten Tanzen.

Ich bezahle 29,-Euro im Monat, damit wir diesen Kurs besuchen können. Und muss bis zum Ende des Jahres bezahlen. Andere Sachen kann ich für sie nicht nutzen.

Es ist klar, dass wir nicht mehr hingehen. Weinend verließ ich das Studio. Nur der Trainer zeigte Mitgefühl. Keine der Frauen kam auf mich zu. Sie drehten mir den Rücken zu.

So ist es mir oft gegangen. Ich dachte alles sei okay….und plötzlich stehe ich am Rand. Als Autistin komme ich mit so vielen Menschen nicht klar.

Und ich bin traurig, weil meine Tochter einfach keine Sympathieträgerin ist. Nun suche ich was anderes für uns.

Bin total traurig.

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An R.

Dein stalken mit Deinen beleidigenden Kommentaren, die ich nicht veröffentliche, macht mir deutlich: Es war richtig mich von dir zu trennen.

Es tut mir leid dass ich dich so verletzt habe. Das meine ich ernst.

Ab heute lese ich deine Kommentare nicht mehr. Sie wandern sofort in den Papierkorb.

 

Des Dunkelheit Schatten

Des Dunkelheit Schatten

Noch tiefer hinein…..sie traute sich nicht. War doch schon so schön eingerichtet. Doch die Haut um ihre Kugel, in der sie sich befand, wurde dünner, durchscheinender.

Unter ihr führte eine Treppe aus hellem Gold. Ins Dunkel-Dunkel. Dem Schatten des Dunkeldunkelsten.

Und nichts konnte sie sehen dort….nur fühlen.

Es roch. Es roch nach Leben-lebendig.

Es lockte. Es lockte mit Verboten.

In den Häuten der Kugel zogen spinnennetzartige Risse ihre Bahn. Sie klirrten leise und lachten.

Sie nahm allen ihren Mut an die Hand und die Angst schupste sie hinein.

Projekt 52 Wochen: Erwachsenen AD(H)S Ordnung – 5/6

Projekt 52 Wochen: Erwachsenen AD(H)S Ordnung – 5/6

Ich bin so frustriert, weil es mir nicht gelingt eine Grundordnung zu halten. Bevor ich Besuch bekomme oder wenn meine Tochter da ist, dann funktioniert es ein wenig.

Aber Langszeitprojekte, wie jeden Tag den Kaffeeautomaten zu reinigen, gelingen einfach nicht. Das ist AD(H)S typisch. Und das macht mich traurig. Das das Chaos so mühelos gelingt macht mich traurig. Das ich keine Idee habe, wie ich mit weniger Stress Behördenkram erledigen kann, macht mich traurig.

Ich muss für mich und meine Tochter Termine machen….ich schaffe das nicht. Es ist mir klar wie es geht, aber das Umsetzen will nicht. Auch das ist AD(H)S.

Und dennoch sind mir Kleinigkeiten gelungen: Ich habe mir mein Frühstück für die Arbeit gemacht. Ich habe zwischendurch abgewaschen. Ich räume Kleinkram, den ich sehe weg. Die Wäsche gelingt mir.

So waren also die letzten 14 Tage.

Heute möchte ich über meine neuste Anschaffung erzählen:

Tara! Tara! Tara:

Mein Wischsauger!!

Mit diesem Teil kann ich saugen und wischen in einem Arbeitsgang. Nur unter den Betten nicht….da muss ich herkömmliche Arbeit leisten.

Aber dieses Teil ist genial. Weil es die Arbeit so leicht macht und drei Arbeitsgänge in einen zusammenfaßt. Und es funktioniert.

Was allerdings AD(H)S mäßig eine Falle ist: Es ist ein Akkusauger….und ich muss lernen, wann ich ihn auflade. Damit er immer bereit ist. Sonst habe ich wieder diese Endloskette: Ich müsste den Küchenboden saugen-wischen. Der Akku ist leer. Den müsste ich aufladen….und schon sind drei Wochen ins Land gegangen.

Aber heute war es alles in Ordnung. Natürlich mache ich jetzt nicht immer alles gründlich. Also Möbel wegschieben und so. Aber die Wirkung ist toll.

Der Verbrauch von Wasser und Reinigungsmittel sinkt rapide. Nun bin ich gespannt wie ich den Wischi im Alltag nutze!

 

 

Tiefgefroren

Tiefgefroren

Er blickte streng in ihre Hand. Weit geöffnet und zart entspannt. Die Strenge traf auf ein glattes Gestein aus gefrorener Liebe.

Gefrorene Liebe zu ihrem Sein.

Die Hand dagegen bebte vor Lebendigkeit und Bedürfniss. Zitternd schwebten die Elfen um  kleinen Wölbungen der Fläche.

Der Blick bohrte und bohrte sich tiefer….Strenge klopfte unentwegt an.

Gefrorene Liebe blieb fest. Nichts und Niemand sollte sie bewegen.

Und doch………ein Schimmer Luft schwebte unter den Blick und legte sanfte Berührung in die Lebenslinien.

Über 5 Jahrzehnte….

Über 5 Jahrzehnte….

Sie stand auf ihren Füßen und reckte sich. Nichts war zu eng. Alles beweglich. Ein leichter Schwindel zog durch den Kopf und zehrte an dem Gleichgewicht. Dieses wankte wie ein Schaukel.

Ausgefüllt. In ihrem Körper ausgefüllt. Nach über 5 Jahrzehnten…..

Die Nase öffnete das Tor. Wenn Sie allein zu Hause war, wenn sie überhaupt allein durch die Welt ging. Einzelne Gerüche besuchten sie. Berührten sanft ihren Sinn. Erstaunt blieb sie stehen. So rochen also Büsche! Das die überhaupt einen Geruch haben!

Im Supermarkt träuselten Minzzart und Wasistdaseigentlich. Jeder Gang bestückt mit einem eigenen Duft. Oh…….das wußte sie gar nicht. Und jetzt nach 5 Jahrzehnten konnte sie es.

Ein Geruch stieg stark in ihr auf…..und verschwand. Ist das immer so? Ist das normal? Sie wußte es nicht. Und wenn sie mit anderen sprach, so mussten diese erst lange nachdenken. Sie kannten es nicht anders.

Nach über 5 Jahrzehnten ergab das Leben einen Sinn. Und Eigenschaften wurden in einem anderen Licht neu in Szene gesetzt.

Eigenartig. Alles, was sie glaubte zu sein, verschwand in den Werkzeugschrank, welchen sie noch immer benutzte, oft unbewußt.

Doch heute, beim Friseur, sprach sie einen Satz, die sie noch nie in ihrem Leben gesprochen hat:“Das Schampoo riecht so gut!“

 

 

 

Kurze Erklärung:

Schon als Kind konnte ich nichts riechen. Mir glaubte zunächst niemand. Dann wurde es zwar medizinisch festgestellt, aber nicht weiter beachtet. Im Laufe des Lebens kamen manchmal Momente, da konnte ich riechen: Minze, Zwiebeln, Essensgeruch.

In der einen oder anderen Therapie kam dieser Sinn zum vorschein. Jeder Therapeut, jeder Arzt wunderte sich, dass ich nicht riechen kann. Das der Geruchssinn offensichtlich psychosomatisch verschlossen war. Aber das wurde mit einem Achselzucken abgetan.

Seid ich Medikamente für ADHS nehme, seit ich weiß, dass ich Autistin bin, wird mein Geruchssinn immer lebhafter.

Asperger haben wohl oft Sinne, die nicht so gut funktionieren. Und jetzt ergibt für mich das verschließen meiner Nase einen Sinn: Reize und Gefühle auszusperren, um ein sogenanntes Nichtautistenleben immitieren zu können.