Das Lernding

Das Lernding

Grau, im seidenen Mantel lehnte sich das Lernding an die Theke. Vor sich ein Glas mit berauschendem Irgendwas. Ihm gegenüber lehnte das trockene, steife Logikgedöns und prostete ihm zu.

Seit Stunden befanden sie sich in einem Streitgespräch. Logikgedöns brillierte mit Statistiken, Stufen, so-ist-das- und Beweisen.

Geduldig hörte Lernding zu. Aber er konnte, ehrlich gesagt, nichts damit anfangen. Die zarte, rosa Traumwolke sagte ihm da eher zu. Sie flirrte mit ihren Flügeln um den Tresen und verteilte Traumbilder.

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Stalkerin im Extrem

Stalkerin im Extrem

Ursula wollte etwas besonderes leisten. Etwas, das noch nie jemand or ihr getan hatte.

Die Planungen zogen sich über Monate hin. Minutiös ging sie jeden Schritt durch, den sie gehen wollte.

Und heute war es soweit. Freudig strahlte sie sich in ihrem Spiegel an. Daumen hoch, Frau. Du wirst die Beste sein.

Sorgfältig verschloß sie die Haustür, ging leise die Treppe hinunter und hinaus vor die Tür. Dort wartete ihr Auto….ausgestattet mit Termosflasche und Schnittchen.

Noch konnte sie umkehren. Sie wusste, dass sie sich eventuell strafbar machen würde, wenn sie dem Subjekt ihrer Begierde nachstellen würde. Aber egal. Geplant ist geplant….das große Ziel vor Augen.

Sie setzte sich gemütlich in ihr Auto, den Blick auf die Fenster ihrer Wohnung gerichtet.

Ab heute würde sie sich selbst stalken.

 

Würde

Würde

Klein gewachsen, getreten und zerrupft.

Faltig, eingebeuelt,verschrumpelt.

Würde die Würde das zulassen,

dann würde die Würde ihr heiliges Angesicht verlieren.

 

Das kleine Mädchen, die reife Frau und die lebgewordene Alte aber sind die Hüterinnen. Schon seither und immer.

Würde die Würde diese nicht haben, dann würden die Hüterinnen zerfallen.

Aber, und so ist es:

Im Kreis des Schutzes und Lichtes

steht

unverletzt

die Würde.

Und die Hüterinnen feiern ein Fest.

Fühlen im Leichten

Fühlen im Leichten

Wie eine Wolke schwebt es ins Herz, das Leichte. Und sofort marschieren sie auf, die Warner, die Schützer, die Helfer. Schwer wie Stein stellen sie sich auf um die Wunde nicht einstürzen und zerbrechen und vergrößern zu lassen.

Doch Milde streichelt ihnen sanft über die Wange und gibt ihnen bequeme Sessel, etwas Tee und Gebäck.

Und schon wogen leichte Nebeltänzerinnen einen Reigen. Wunde kann pulsieren, schmerzen und endlich Seufzen.

Im Verbund mit allem kann endlich Ruhe und Sanft einkehren.

Sie fegen, sie öffnen die Fenster. Dunkle Wolken sind neben dem sonnigen Sein im Einklang.

Frische Brise säuselt sanft und singt ein Lied.

Auch so kann es sein.

Erika wagt (1)

Nach 20 Jahren die Ehe zu verlassen und Anfang 50 zu sein, das war schon eine schwierige Entscheidung. Vor allem weil sie seit 17 Jahren aus ihrem Beruf raus war. 17 Jahre Kinder versorgen, 17 Jahrre den Ehemann versorgen, 8 Jahre keinen Sex mehr, 8 Jahre nur als Geschwister und Eltern aber nicht mehr als Paar leben.

Eine dicke Fettschicht half Erika, das Eis nicht zu spüren, das von ihm ausging. Und er blickte immer an ihr vorbei.

Nein, sie hätten nur eine Phase.

Ja, das Gefühl ist noch da.

Nein, es gibt keine größeren Probleme. (Sie fragte sich was ihre Schreianfälle, ihre Verzweiflung und seine Abwehr, begründete Abwehr, anderes waren als Probleme).

8 Jahre keinen Sex. 8 Jahrre keine Lust und Leidenschaft. Dafür viel Schokolade und Pommes. Kauen, bis ein weicher Brei sie in den Himmel schickte. Versteckte Pralinen, heimliche Besuche nachts vor dem Kühlschrank. Immer größere Kleidung.

Es war keine Entscheidung die Erika von heute auf Morgen fällte. Nein, sie wuchs so langsam heran. Es fing mit dem Traum einer eigenen Wohnung an….steigerte sich über Phantasien des Fremdgehens bis hin, aktiv Bewerbungsunterlagen zusammen zu stellen.

Eines Tages, eines ganz gewöhnlichen Tages, es war ein Donnerstag, saß Erika an ihrem Küchentisch. Und plötzlich stand die Frage glasklar vor ihr und ließ kein ausweichen zu.

Wie lange wollte sie noch warten dass sich etwas änderte? Noch 1, noch 5 noch 20 Jahre?

Diese Frage schreckte Erika, gefror in ihrem Herzen und explodierte zu der Antwort, welche nicht weniger schrecklich und klar war.

Nicht einen Tag mehr würde sie warten.

 

Fall ohne Netz

Fall ohne Netz

Was ist eigentlich mit Ilse passiert? Welche im Lapptop verschwand und die Klickse verlor, die sich mit einem Wolf durch unwegsame Strecken schlängelt. Und sich wunderte, dass dieser Wolf ihr ständig ein Buch vor die Nase hielt.

Und Hilde, wo ist eigentlich Hilde abgeblieben, mit ihren Lockenwust und dem Bemühen, irgendwie glücklich zu werden?

Was ist mit Gertrud Trenkelbach, der wahrherrlichen Schriftstellerin, die sogar einen Handwerker ihr eigen nennen kann?

Sie sind noch da, aber sie sind nicht greifbar. Sie sind anwesend im Hintergrund und betrachten mich.

Sie sind am Start, und warten.

Aber worauf warten sie? Irritiert schau ich hinter mich. Was wollen sie? Habe ich nicht genug zu tun? Muss doch mein Leben sortieren, oder so.

Oha, die Steuererklärung grinst mich an. Auch sie lauert.

Sie nähern sich mir, mit Gemurmel. Und ich weiß gar nicht, was sie von mir wollen.

Und dann……….und dann….und dann….

wieder der Fall

wieder der Fall

ohne Netz.

Und dann der Griff zum Stift. Nein, der Griff zur Taste.

Die Finger beschwingen sich, sie liebkosen die Tasten im heißen Tanz.

Ilse erblüht, Hilde ergraut, Gertrud Trenkelbach schaut skeptisch, Steuererklärung lacht.

Und dann…..und dann…..und dann

wieder der Fall

wieder der Fall

ohne Netz

hinein ins stürmische Meer,

auf zu neuen

Abenteuern.