Frau Idee verweigert sich

Frau Idee verweigert sich

„Bitte, Frau Idee, laufen Sie mir doch nicht immer davon“…….

Frau Idee lacht spitz auf, kehrt mir den Rücken zu. „Ich habe Urlaub, für den Rest Deines Lebens. Du bist so brettmäßig langweilig. Ich bin schon ganz grau geworden und geschrumpft. Du hast mir nie, niemals, nie einen Tee angeboten. Du bist nie, niemals nie in die Stadt mit mir gegangen. Du hast nur Dein Sofa besucht. Dort wurde ich ganz unansehnlich. Sieh zu, wie Du ohne mich klar kommst, es ist zu spät.“

Ich stützte mich auf meinen Ellenbogen auf, versuchte die Sofadecke zur Seite zu schieben und hinter Frau Idee her zu laufen. Aber ich rechnete nicht mit meinem Sofa, welches eigentlich beteiligungslos wirkte. Es hielt mich fest, kuschelte sich an mich. Und es war noch gemütlicher als sonst.

Es blieb mir nichts anderes übrig als Frau Idee hinterher zu winken, welche sich ihren Mantel überzog und wie ein junges Mädchen zur Tür hinaustanzte…..

Beinahe hätte ich ihn kennengelernt, den Herrn Rosin

Beinahe hätte ich ihn kennengelernt, den Herrn Rosin

Das Leben ist im allgemeinen ja nett zu mir.

Aber manchmal doch etwas gemein.

In den Ferien besuchte ich eine Freundin F. bei ihrer Freundin A. in der Eifel. Zwei Tage abschalten, Natur bewundern und vor allem, in der realen Welt ankommen. Nichts mit Internet oder Fernsehen, diese fiktiven Welten sollten mich in Ruhe lassen.

Es war ein kleines Dorf, dort wo ich unterkam.

Das hatte ein kleines Restaurant, welches hinter dem Haus von A. lag.

Und dort war Herr Rosin mit seinem Kamerateam, wie mir erzählt wurde. (Für die, die sein Fernseh-Format nicht kennen: Herr Rosin hilft Restaurants aus der Pleite.)

Die Wirtin war mit A. befreundet. Und kam wohl rüber um zu erzählen.

Und wo war ich? Ich, die dieses Fernsehformat kennt und gerne schaut? Ich, die brennend gerne zugehört hätte, wie er denn so ist, der Herr Rosin? Da die Wirtin früh morgens vorbei kam, schlief ich noch.

Also habe ich beinahe etwas aus erster Hand erfahren.

Aus dem Küchenfenster konnte ich auf das Restaurant schauen, nur um nichts zu sehen. Ich hätte Kameraleute sehen können, Herrn Rosin, aber nein. Die waren drinnen.

Aber dann sah ich doch jemanden. Den Bauleiter Willi, der da mitarbeitet. Bauleiter Willi ist ein ganz eigener Typ mit geflochtenen Bart. Der hat was.

(An dieser Stelle: Natürlich kann er meinem Liebsten niemals nie das Wasser reichen!)

Ich quietschte wie ein Teenager und machte meine Freundin F. und ihre Freundin A. verrückt.

Freundin A. schrieb also eine WhatsApp zur Wirtin, ob ich eine Autogrammkarte bekommen könnte. Sie behauptete, ich würde mir die Nase an der Fensterscheibe platt drücken und weinen. Was natürlich nicht stimmte.

Schön und gut. Wir drei Frauen unternahmen einen schönen Ausflug. Immer mit dem Witz des Tages auf den Lippen: Beinahe hätte ich Herrn Rosin und Bauleiter Willi kennengelernt.

Abends fuhr ich dann nach Hause. Ich fand es schön, das die Fernsehwelt einen Streifausflug in meine Realität gemacht hatte.

Als ich dann abends bei mir ankam, erhielt ich eine WhatsApp von meiner Freundin F.:

Schöne Grüße von Bauleiter Willi. Die Wirtin hatte wohl mein Ansinnen nach einer Autogrammkarte weiter gegeben. Er kam dann zu meiner Freundin F. und ihrer Freundin A., um mir diese persönlich zu geben.

Ja, Ihr Lieben, so war es. Beinahe hätte ich Herrn Rosin kennen gelernt (ich erhielt später noch ein Foto, fotografiert aus besagtem Küchenfenster mit ihm darauf). Und noch beinaher hätte ich Bauleiter Willi kennen gelernt.

Das Leben scherzt manchmal mit mir.

 

Ein kleiner Nachtrag zum Beitragsfoto: Dorhin waren meine Freundin F. und ihre Freundin A. mit mir hingefahren, dort hielt ich mich auf, während ich beinahe Herrn Rosin kennengelernt hätte, wenn wir nicht dort gewesen wären…..

Ilse verzweifelt

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„So kann ich nicht arbeiten!“ Ilses verzweifelter Ausruf schwappte durch den Raum, prallte an der Wand ab und sank zum Boden.

Was war geschehen?

Seid die komplexe Geschichte Ilse verlassen hatte und die Ideen umgezogen sind, veränderte sich alles in ihrem Leben.

Die Klicks gingen bei ihr ein und aus. Sie behaupteten, dass über Ilses Laptop Bloglanden leichter zu erreichen sei. Das wiederum bedeutete, das diese nicht immer dann ins Netz konnte, wenn sie wollte, weil die Klicks ihre Arbeit ungestört verrichten wollten.

Gestern zum Beispiel schleppten die Klicks Säckeweise Kommentare heraus um diese in ihren Vorratskammern zu lagern.

Seit einigen Tagen gab es drei Wesen, die Ilse täglich besuchten. Es war ein wuscheliges, kleines Kommentarfollower. Es wieselte gerne über den Schreibtisch. Ihm folgte ein Ding, ein Etwas….also Etwas….das spielte ausgelassen mit Kommentarfollower.

Und wie sollte Ilse da ein Gedicht über Depressionen verfassen, während die kleinen Kerlchen laut lachend um sie herumtollten?

Und immer kam ein Klickskind mit, Klicksie. Das zeichnete sich durch ständige, ohne Pausen machend, klugen Fragenstellereien aus. So beschäftigte sich Ilse mit Wikepedia um Antworten zu finden.

Und das Depressionsgedicht wurde depressiv, weil ungeschrieben.

An diesem Tag des Ausrufes befanden sich Etwas, Kommentarfollower und Klicksie bei Ilse auf dem Schreibtisch. Diese hatte sich fest vorgenommen Depressivgedicht endlich ins Netz zu bringen……

alles war gut vorbereitet: Düstere Musik lief, Vorhänge vorgezogen, Kerze angezündet…..eine melanchonische Stimmung ohne Gleichen, breitete samtene Arme aus.

Ilse versank darin…..ihre Finger wollten schon zu den Tasten greifen und endlich loslegen….als….

Etwas zupfte Ilse am Arm und machte sie auf Kommentarfollower aufmerksam. Es duckte sich zitternd hinter der Kaffetasse, Klicksie versuchte es zu beruhigen.

Angst, es hatte Angst.

Ilse sah sich um, konnte aber nichts entdecken.

Dann hörte sie es auch.

Ein Geräusch.

Ein bekanntes Geräusch, das aus ihrem Laptop kam.

Ein Geräusch, das ankündigte, das jemand zu ihr kam.

Schon jetzt hatte Ilse mehr als genug.

Kommentarfollower quickte auf.

Und dann entstieg ein kleiner Herr dem Laptop, klopfte sich seinen grauen Anzug ab. Und sah zum fürchten aus. Geschmeidig, glatt, höflich…..

Er verbeugte sich vor Ilse und schnippte mit den Fingern.

Hinter ihm tauchte nun ein Schmetterlingsnetz auf, in dem sich kleine, gesundausehende kugelige Wanderer mit Rucksäcken befanden. Das Netz schüttelte sich und die Wanderer verteilten sich auf dem Schreibtisch.

Der kleine Herr zog eine Rechnung aus seiner Innentasche des Anzugs und präsentierte diese Ilse.

„Hier, für meine Bemühungen. Ich habe ihnen 10 Follower eingefangen. Was sehr, sehr mühsam war. Sie schreiben in letzter Zeit ja eher sparsam.“

Ilses Augen weiteten sich….sie konnte noch stammeln: „Wer sind Sie?“

Der kleine Herr zeigte sein kältesten Gesichtsausdruck der ihm möglich war. Die Dunkelheit wurde dunkler, die Follower, Klicksie, Etwas und das Kommentarfollower drängten sich zusammen. Eine Stecknadel weigerte sich zu fallen und gehört zu werden.

Der kleine Herr grinste diabolisch: „Ich bin der Followerjäger!“

Und das war der Augenblick, als Ilse ihren Ausruf tat, voller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

Krabbelding

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Ziemlich klein, knuffig, schnüffelig krabbelte es über den Schreibtisch, hinfort vom Laptop. Es schmatzte, grunzte, schleckte.

Klein, weich, kratzelig schabte es etwas von der Schreibtischplatte. Es schien ihm zu schmecken, die orangen Äuglein glänzten vor Wonne.

Mit den zierlichen Pfoten kratzte es sich hinter den Ohren, schaute sich um, wackelte gemächlich zurück zum Laptop. Das Kommentarfollower schaute sich um und verschwand.

Meine e-Geräte und ich

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Also…..ich bin ja Technikmedienfan…aber eigentlich bringt mich das oft an den Rand  des Wahnsinns.

Zum Beispiel:

Wenn ich auf meinem Tablet Kommentare anschaue, die auf dem Blog landeten, dann verschwinden einige davon…..Puff und sie sind fort. Keine Ahnung, was ich da mache. Im Papierkorb sind sie nicht…..nirgends…und das geschieht nur wenn ich das  Tablet nutze.

Wenn ich, wie eben gerade geschehen, endlich mal entspannt meinen e-Reader nutzen möchte….da erstarrt dieser. Nichts hilft, kein Knopf drücken, kein Schütteln, kein Flehen: das Ding möchte nicht, das ich lese.

So gibt es also doch so etwas wie Vorsehung und Eigenleben meiner Gerätschaften. Ich ahnte es schon.

Deshalb habe ich immer, vorsorglich, mit meinem Kaffeevollautomaten gesungen. Mein Wäschetrockner erhält regelmäßige Tätscheleinheiten. Und mit dem Auto spreche ich betont liebevoll und freundlich!

Verstärkt sind diese Eigenlebensphänomene aufgetreten, seid ich hier in Bloglanden angekommen bin.

Ich durchschritt da eine Tür in eine Welt, die märchenhafter gar nicht sein kann.

Unlängst wurde mir ja wieder ein Kommentar entführt…..nun habe ich eine merkwürdige Botschaft erhalten, die sich auf dem Schaum meines Milchlattekaffees befand, welchen ich eben vom Kaffeevollautomaten erhielt.

Die Klicks, welche hinter all dem Schabernack stecken, verlangen von mir, dass ich ihnen huldige, ansonsten würden sie immer weiter Kommentare entführen, e-Reader lahmlegen und mir den Zugang zu Bloglanden versperren.

Nun frage ich Euch, geneigter Leser und geneigte Leserin, darf ich mich erpressen lassen?

Was zum Teufel sind denn nun die verdammten Klicks?

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Ilse verzweifelte. Denn Ideen waren ja weggezogen, ihre Inspiration ging im Frühlingswinter unter. Und weshalb sollt sie nicht liegen bleiben?

Weshalb sollte sie dem Rauschen in den Ohren nicht nachgeben?

Sie hatte keinen Grund, keinen vernünftigen Grund. Keinen logischen Grund.

Alles wurde anstrengend: Denken, Hören, Fühlen, Handeln. Und die eine Frage, die sie umtrieb, fand keine Antwort. Und ließ Ilse verzweifeln.

Und während sie so da lag, zupfte ihr jemand an dem kleinen Zeh.

Fünf winzige Männchen umzingelten den Fuß, gar putzig schauten sie zu ihr auf.

Sie konnte nur Lächeln und erhob sich halb in den Sitz….

„Wer seid Ihr denn?“

Ein Männchen hüstelte und sprach überaus höflich:

„Guten Abend. Wir sind die Klicks. Da Sie noch immer nicht wissen wer wir sind, wollten wir uns Ihnen vorstellen.“

 

 

Passwortwahn……

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Hilde hielt ihr Nudelholz fest vor der Brust verschränkt. Mit dem Rücken stand sie an die Wand gepresst, die Augen glitten mit leicht irren Blick umher.

Modern wollte sie sein.

Mit der Zeit gehen.

Also her mit dem Handy.

Dem E-Book.

Dem Laptop.

Hilde dachte, man würde diese Dinge ganz einfach benutzen. Anstellen, tippen, surfen…..Bingo.

So naiv ging Hilde an ihren Laptop. Sie wollte in einem Forum für junggebliebene  Jungesellinnen um die 50 mitschreiben. Und online-Banking betreiben….und eventuell online-bücher-ausleihen.

Ihre Freundin, die patente Gisela schwärmte neulich bei einem Kaffee davon, wie einfach das sei.

„Man kommt in Kontakt mit Menschen aus aller Welt. Es ist so interessant. Hilde, Du lebst hinter dem Mond.“

Gisela gehörte zu den Frauen, die immer modern angezogen, leichtfüßig und aufgeschlossen durch das Leben tanzten.

Hilde bewunderte ihre Freundin und wollte es ihr gleichtun.

Nur, bedachte Hilde nicht, dass sie Hilde war.

Und jetzt stand sie angstzitternt in ihrem Flur, nachdem sie das Wohnzimmer fluchtartig verlassen hatte.

Seit drei Tagen versuchte sie Internet. Dabei wollte siefürs erste ja nur online-banking. Gut beraten von ihrer Sachbearbeiterin ließ sie sich auf dieses Abenteuer ein.

Und damit ging es los.

Zunächst musste das Laptop synchronisiert werden, frisiert, gewickelt und gebadet. Dann konnte sie es erst benutzen, nachdem sie ein Hundertbuchstabenpasswort erfand, welches wiederum in eine leicht zu merkende vierstellige Pin-Nummer verwandelt wurde, welches niemals nirgends aufgeschrieben werden durfte.

Um sich diese zu merken, nutze Hilde ihr Handy, welches als Eingangssicherheitschlüssel ein Wilhelmbuschgedicht benötigte. Welches vorher eine Pin-mit-Pfiff war, welches demnächst in ein einfaches Happy-Wort gewechselt werden würde…..

Also, zunächst das Wilhelmbuschgedicht eintippen, dann die Pin herausfischen, und flugs ab zum Laptop. Dann musste dieses wiederum geschützt werden vor Erkältung. Dazu gehörte Hustensaft und ein update von 24 Stunden.

Und endlich, endlich konnte Hilde den Browser aufrufen, welcher auf den Namen Erwin reagierte. Erwin wiederum benötigte erst einmal ein kräftiges Frühstück, eher arbeiten wollte.

Inzwischen kletterten kleine Hacker den Tisch hinauf, um Hildes Handy sowie Laptop sowie e-Reader anzugreifen.

Das war der Augenblick, als Hilde in die Küche rannte, ihr Nudelholz aus der Schublade zerrte und angstzitternd in den Flur floh.

Aus dem Wohnzimmer tönten Kampfgeräusche.

Wer würde gewinnen?