Taube im Fokus

Taube im Fokus

Da sitzt sie vor meinem Blick.

Sie beachtet mich nicht, ist so gewöhnlich.

Doch es läßt mich nicht los.

Gewöhnlich…..wöhnlich-Wöhnung.

Eine Wöhnung ist mein Nest. Mein Nest ist mein Netz.

Ein Netz spinnt mich ein, verbindet die Welt zu einem Bild.

Und in diesem Bild, so rund und schön,

Da sitzt sie vor meinem Blick.

Sie beachtet mich nicht,…………..

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Zumba mit meiner Tochter

Zumba mit meiner Tochter

Seit drei Wochen geht sie mit mir, meine Tochter (geboren mit Downsyndrom)

Sie ist inzwischen ein Teenager geworden und sie tanzt so gerne. So entschied ich mich, sie probeweise mit zum Zumba zu nehmen. Und nun ist sie Mitglied im Fitness-Studio.

Über jede  „Kleinigkeit“ ist bei ihr große Freude angesagt. Die eigene Trinkflasche. Die neuen Turnschuhe. Die Jogginghose.

Etwas schwieriger war die Sache mit dem Haargummi. Ich konnte sie nicht überzeugen, aber eine  junge Frau aus dem Kurs war überzeugender.

Meine Tochter hat sich inzwischen etwas von mir gelöst. Sie suchte sich die junge Frau als Vorbild und Mittänzerin aus. Sie steht bei ihr, klatscht mit ihr ab und eifert ihr nach. Ich wies die junge Frau darauf hin, falls ihr meine Tochter zu nahe kommt (auch räumlich), soll sie es ihr ruhig sagen. Doch diese lachte mich nur freundlich an. Und ich ging beruhigt wieder auf meinen Tanzplatz.

Eine andere Frau schlägt mit meiner Tochter regelmäßig ab und wurde beim Abschied umarmt.

Zwischendrin holte meine Tochter selbst neues Wasser aus der Halle und kam mit stolz erhobenen Schultern zurück.

Besorgt streicht sie mir über meine Stirn, weil ich so schwitze. Wir lachen gemeinsam über unsere lahmen Beine. Und zwischendurch improvisieren wir Tanzschritte.

Und was mache ich, die Mutter: Sie tanzt Zumba, wird etwas besser, freut sich und ist befreit. Und berührt. Und stolz. Wie meine Tochter sich die Welt erobert. Wie die Frauen auf sie zugehen.

Ein Herz weitet sich, mein Mutterherz.

Jetzt

Jetzt

Im Augenblick zählt, was ist….was jetzt ist….

immer wieder holt sie mich ein, die Vergangenheit, umschlingt mich mit ihren Armen.

Dann hilft es die Sinne zu  öffnen und die Gegenwart einzuatmen.

Stolz

Stolz

Nachdem ich Gestern in Tiefen der „Ich-versage-immer“ Höhlen verbracht habe, kam ein Gedanke zu mir. Er schüttelte den Kopf, weil ich mich so gerne in dem Schlamm der eigenen-ichmachmichschlecht“ Pfütze suhle.

Gedanke holte mich da raus, wie eine strenge Mutter, wischte mich sauber und schickte mich nach draußen. Ich solle spielen, meinte er nur und schüttelte den Kopf, nicht ohne ein „tstststststs“ zu seufzen.

Und hier, an der frischen Luft und dem herrlichen Wetter kam dann noch jemand vorbei, jemand, den ich mich nie zu betrachten traue. Weil man es nicht tut. Weil es sich nicht gehört. „Eigenlob stinkt“ hat sich doch tief verankert.

Aber Stolz baute sich vor mir auf. „Ich bin es leid immer im Versteck leben zu müssen. Deine heimliche Eigenschaft zu sein!“ tadelte Stolz mich. Und dann stellte er den Laptop vor mich auf und sagte:“Jetzt erzähle den lieben Leser*Innen mal von mir.“

Auffordernd setzte Stolz sich hin, und ich zögerte. Denn „Eigenlobstinkt“ türmte sich als bedrohliche Wolke auf, zuckte mit Blitzen und drohte mir. Doch Stolz saß aufrecht da ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. „Ich gehöre genauso zu Dir wir alles andere. Du bist nicht nur Versagen. Du bist mehr. Und nun….leg los.“

Meine Finger sind zunächst sehr widerspänstig, meine Ideen zierten sich….doch dann………

Ich bin stolz.

Das ich mit Anfang 50 in das Nichts sprang. Aus einer Ehe heraus, nach 17 Jahren Hausfrauensein, hinein ins Berufsleben. Ich bezog eine kleine Wohnung, nur mit Matratze, zwei Stühlen, einem Bügelbrett, einem Wecker und einem Wasserkocher.

Ich wechselte meinen Beruf und fand meine Berufung. Schulbegleitung erfüllt mich. Meine Wohnung ist eingerichtet, ich habe einen Festvertrag.

Ich habe mit dem Fitness-Studion angefangen. Da fand ich einen Halt, einen Spaß und ein Hobby, was mich festigt.

Ich habe mein Leben eingerichtet, mit meinen Kindern.

Ich bin stolz, einen kleinen Blog zu betreiben.

Ich bin stolz zwei Freundinnen zu haben.

Ich bin stolz, lustig, lebensfroh und oft albern zu sein.

 

Stolz stand auf, klopfte mir anerkenend auf die Schulter. Und um mich herum wurde die Wolke kleiner, das Licht sanfter und Gedanke strahlte.

Lähmend Freudstolzsturz

Lähmend Freudstolzsturz

Ordnung verschwand unter dreckigen Geschirr, Müll und umhergeworfenen Klamotten. Dabei war sie schon dabei, es zu können.

Doch immer wenn sie Freudstolz in sich fühlte und mit ihm tanzend in den Frühling wehte, immer dann schrumpfte es dahin.

Und bewegeungslos sah sie zu, wie ihr alles entglitt….was sie vorher in den Händen zu halten glaubte.

Aber, so überlegte sie, ist das nicht das Leben schlecht hin? Ordnung-Chaos-Ordnung-Chaos………

Muss sie nur in dem einen leben? Konnte sie nicht hin und her springen, es nehmen, atmen und trotzallem liebenswert sein?

Ordnung-Chaos-Ordnung-Chaos…….

Gehörte nicht beides zu ihr, in ihr, um sie herum ohne zu lähmen?

Beruhigt, das es ist wie es ist, räumte sie den ersten Pulover gefaltet in den Schrank.

Mal wieder klönen

Mal wieder klönen

Schon lange nicht mehr habe ich einen Kaffeeklatsch hier abgehalten. Einfach mal zusammensitzen und klönen.

Marinsche erinnert ja zur Zeit mit ihrer Kaffebegeisterung daran, wie schön dieses Getränk ist, vor allem wenn es Gespräche und Gedanken begleitet. Deshalb übernehme ich einfach mal diese Begeisterung und setze mich an meinen Tisch.

Die Gedanken kommen herangeflattert, setzten sich dazu und sind sehr aufgeregt. Es ist ein wildes Geschnatter, quer durcheinander. Lebendig und quirlig.

Diese Zeit habe ich mir lange nicht mehr dafür genommen.

„Habt Ihr schon gehört, Herr Trump ist stinkesauer“

„Ja, ja, aber laß uns über das Wetter reden.“

„Schnee, zumindest etwas puderzuckerartig. Und heute müssen wir fahren.“

„Ja schrecklich“

„Wunderbar, mein Sohn und meine Tochter kommen mit. Das ist so selten. Wir fahren gemeinsam zu meinem Liebsten“

„Das Lied für den Grandprix ist so langweilig, schade. Aber die Sängerin ist toll.“

„Ich hoffe sie wird nicht verheizt.“

„Sonntag hast Du wieder Sport. Weißt Du noch welche Geräte?“

„Mein Schüler geht dieses Schuljahr ab. Ich werde ihn und die ganze Klasse vermissen. Im Augenblick ist es so toll.“

„Ich bin manchmal so stolz auf mich. Was ich mir in den letzen Jahren so aufgebaut habe.“

„Eigentlich würde ich gerne mal wieder fotografieren.“

So vergeht die Zeit, und der Kaffee lehrt sich.

Ich liebe meinen Kaffeeklatsch mit mir selbst.