Meine Gedanken zu Töchtern/Söhnen und dem Wechsel des Geschlechts

Natürlich wollte ich sehr, sehr gerne Mutter werden und sein. Und ich möchte mich auch nicht beklagen.

Mir wurde vom Leben zum Geschenk gemacht Mutter zweier Töchter zu sein. Mein Gefühl war immer, dass ich mit Mädchen besser klar komme. Schließlich sind sie wie ich.

Nun gut, die Große ist Hochbegabt, Asperger Autistin und , wie jetzt herauskommt, wurde sie mit ADHS geboren. Mein Kind, meine Tochter, inzwischen erwachsen.

Nun gut, meine Kleine, inzwischen schon 11 Jahre, wurde mit Down-Syndrom geboren. Mein Kind, meine Tochter, inzwischen fast Teenager.

Meine Mädchen schenkten mir so viel.

Oft wurde mir von Müttern, die Söhne die ihren nannten, gesagt, wie sie sich so ein Leben mit Mädchen vorstellten. Ich lächelte höflich, konnte meine Töchter dort aber keinesfalls wiederfinden.

Ich selbst war meinen Eltern nicht die Tochter, die sie sich wünschten.  Das Thema ist also sehr bewegend für mich.

Inzwischen bin ich eine Frau in den Wechseljahren, die endlich zu sich und ihrer Geschlechtlichkeit gefunden hat.

Und meine Töchter forderten mich ständig mit meinen Lebensthemen heraus. Auf der Suche, wie sie denn nun „ticken“ spiegelte ich mich wieder. Ich lernte viel über sie und mich. Vor allem über mich. Über Menschen.

Meine Töchter.

Und wenn ich dachte, das wär es nun, kommt die nächste Hürde für mich.

Denn ich muss mich von meinem großen Mädchen verabschieden. Sie, sinnbildlich begraben, um meinen Sohn, der sie nun sein wird, in meinem Leben zu begrüßen.

Und, ganz ehrlich, das ist nicht leicht. Nein, ganz ehrlich, ich kann damit gar nicht umgehen. Meinn Innerstes schreit: Nein, nein….nein ich will das nicht.

Aber ist das wichtig?

Nein, es geht nicht um mich.

Mein Sohn muss glücklich sein, es ist sein Leben. Was ich möchte spielt keine Rolle.

Ich verabschiede mich von meinem Mädchen und heiße meinen Sohn willkommen. Denn das ist das einzige was ich tun kann. Ihn unterstützen.

Auch wenn es schwer fällt, auch wenn ich verzweifel.

Aber, je mehr ich mich darauf einlasse, je mehr kommt auch der Frieden damit überein.

Willkommen mein Sohn.

Nun bin ich Mutter einer Tochter und eines Sohnes.


46 Gedanken zu “Meine Gedanken zu Töchtern/Söhnen und dem Wechsel des Geschlechts

  1. Liebe Gertrud, genau das hat eine gute Freundin von mir erlebt. Es war ein schwieriger Weg, aber sie ist jetzt stolz auf ihn. Und gerade den Kindern ist die Unterstützung der Mutter so ungemein wichtig. Es ist ihr wichtigster Halt. Letztendlich möchtest Du, dass er glücklich wird….der Rest sind doch nur irgendwelche Bezeichnungen…tief im Inneren wird sie schon lange ein Er sein….

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    1. Das war für ihn kein gradliniger Prozess….er ging durch alle Geschlechter bis hin zum „etwas dazwischen sein“.
      Es tut gut zu lesen, dass auch andere es nicht so leicht damit hatten. In den Medien liest man eigentlich nur von toleranten Eltern, die anscheinend keine Probleme damit haben.
      Und das wollte ich brechen. Denn es ist eben nicht so, dass ich nur tolerant bin. Und eine Seite in mir sträubt sich total.
      Ich gebe ihr eine Stimme.
      Aber insgesamt spielt sie keine Rolle. Denn es ist sein Leben. Und ich hoffe, dass ich etwas Stütze sein kann, auch wenn ich offen zu meinen Schwierigkeiten stehe.

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      1. Genauso war es auch bei meiner Freundin. Es war ein langer Prozess des Suchens….Und ich habe von keinen Eltern gehoert, die es leicht annehmen. Meistens tun sich die Vaeter noch schwerer….Eine Kleinigkeit hat es fuer sie vereinfacht. Sie aenderte den Namen in ihrem Smartphone….Es half, dass es zur Realitaet wurde.
        Die meisten brauchen wohl Jahre, um sich ihren Eltern zu oeffnen, dadurch haben sie aber auch Jahre Vorsprung ihren Eltern gegenueber….Gib dir Zeit !

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      2. In den USA betreibt man jetzt Aufklaerung, indem in fast jeder TV show ein Transgender Charakter eingebaut wird. Es gibt dort sehr viel mehr!

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      3. Man geht einfach offener damit um, so viele Jugendliche leiden, weil sie wissen, dass sie anders fuehlen, aber kennen die Loesung nicht. Ich verstehe deinen Schmerz, du musstest deine Tochter gehen lassen und der Sohn ist Dir fremd….Aber ich glaube, dass du mit der Zeit erkennen wirst, dass du beides haben wirst, nur in einer gluecklicheren Form

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  2. All das was dein Sohn gelernt, gefühlt und erlebt hat, ist immer noch da und neues Jahr mit hinzu. Wo liegt das Problem? Sicherlich ist es nicht leicht für dich aber es ist das Leben.

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    1. Das Problem liegt in mir. Als Mutter gebar ich ein Mädchen, und ich gab ihn einen Namen. Und diesen Namen muss ich verabschieden. Und das tut weh.
      Aber dadurch, dass ich durch die schmerzen gehen kann, öffnet sich mein Herz für meinen Sohn und seinen neuen Namen. Den er sich selbst ausgesucht hat.

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    1. Eigentlich geht es schon seit einigen Jahren. Aber eben nicht so deutlich: Mein Sohn verhält sich sehr mädchenhaft, kleidet sich auch so….das macht es für mich schwieriger.
      Jetzt bin ich gewillt mich dem zu stellen…..und das ist hart, aber hilfreich. Für mich und meinen Sohn.

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      1. Jeder Mensch bekommt das mit was er zum Leben braucht in einer Familie…..und ihr habt es schon in Euch! Jetzt musst Du nur noch rankommen an das Potenzial 😘 🌈

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  3. Ich wünsche Euch das Beste auf diesem sicher nicht ganz einfachen Weg.
    Meine beste Freundin aus Kindertagen ist heute ein Freund. Manchmal noch immer seltsam und an manchen Tagen auch fremd. Aber an der Basis und am Wesen des Menschen ändert es nichts. Aber
    das spürst du als Mutter bestimmt viel besser und intensiver als ich als Freundin.

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    1. Ja, das stimmt wohl. Am Menschen ändert sich wenig….ich denke ja auch, dass etwas in mir getriggert wird. Ich weiß noch genau, dass ich vor Jahren dachte: Zum Glück wird mir dieses Thema erspart, da war ich noch mit Asperger beschäftigt. Wahrscheinlich ahnte ich damals schon, dass es doch ein Thema ist.
      Vielen Dank!

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  4. Liebe Gertrud, da hat das Leben Dir einige Herausforderungen gestellt. Einen Freund von mir habe ich als Freundin kennen gelernt. Der Weg ist nicht leicht, die Entscheidung oder besser die Erkenntnis im falschen Körper zu leben ist nicht leicht und in sich ein Leidensweg. Ich kann Deine Schwierigkeiten mit dieser Situation verstehen. Es braucht viel Kraft, als Mutter die Unterstützerin zu sein, die Dein Sohn jetzt braucht. Ich denke allerdings auch, dass man sich Unterstützung holen kann und darf, wenn einem diese Kraft ausgeht. (Ich habe auch eine Freundin, u.a. Asperger Autistin ist. Ich ahne, wie schwer es war und ist.) Alles Gute für Euch!

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    1. Mir tut es schon gut zu wissen, das ich mit meiner Auseinandersetzung nicht allein da stehe. Um Hilfe für mich werde ich sorgen, mein Sohn ist gut betreut. Bisher habe ich mich vor diesem Schritt gescheut, weil ich schon so viel Hilfe geholt habe und einfach genug davon habe. Danke für das Erinnern, wie wichtig es ist, mir jemand an meine Seite zu holen.
      Vielen Dank!

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  5. Als ich das las, dachte ich, ich hab beides
    Söhne und Tochter. Was wäre wenn….Aber im Grunde:die Liebe bleibt die Liebe, ob anderes Geschlechtsbenenne, ob ohne Beine oder womöglich mit befremdlicher Gesinnung…Kind bleibt Kind. Trotzdem, ich wünsche euch viel Kraft, diesen Weg miteinander zu gehen. Immerhin ist dieses Thema unserer Gesellschaft nicht mehr so fremd. Es gibt eine sympathische Handywerbung zu dem Thema. Umarmung Kat.

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    1. Diese Werbung gefällt mir auch sehr.
      Ich finde meine Kinder toll….trotzdem beschleicht mich manchmal der tabu-wunsch-sehnsucht eine „normale“ Familie zu haben.
      Aber sobald ich mir das zugestehe, geht es besser….weil ich dann mein Leben wie es ist nehme und liebe….ist schwierig auszudrücken. Vielen Dank!!!

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    1. Vielen Dank….natürlich bleibt die Liebe. Wenn ich mir so manches Weltgeschehen ansehe, wird mir bewusst, dass es egal ist ob Sohn oder Tochter. Wenn es sein Weg ist begleite ich ihn. Und je mehr ich von meinem Sohn schreibe, rede, denke, je mehr wird er das.

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  6. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Prozess kein leichter für dich ist, aber für dein Kind noch weniger. Steh ihm zur Seite, das ist das, was ihr beide braucht, um diesen Weg zusammen zu gehen. Und wenn ihr es geschafft habt, wird eure Beziehung noch inniger sein! ❤

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  7. Ich war sieben Jahre lang Lehrer an einer Internatsschule für Hochbegabte, an der auch ein Junge war, der im Lauf zweier Jahre mittels Hormonbehandlung auf den letztendlichen Umstieg in die andere Geschlechterrolle vorbereitet wurde. Huuuiiiii, das war ein ewiges Thema in den ohnehin unzähligen Konferenzen. Letztlich muss ich sagen, dass die Idee der Schulleitung, einen Jugendlichen in einer derart konfliktbehafteten Phase ins Internat aufzunehmen, nicht mehr nur „fragwürdig“ war – sie war schlicht und einfach untragbar. Ausbaden mussten es ja nun immer die Kollegen vor Ort.

    Lange Vorrede, kurzer Sinn: Die Zeit ist für alle sehr schwer, ich drücke die Daumen, dass ihr genug Zeit und Geduld aufbringt, euch in das neue Verhältnis einzuleben.

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  8. Ich wünsche dir – und deinen Kindern – auch viel Mut und Kraft und toll, daß du das hier so offen ansprichst !! Wie schon erwähnt, wahrscheinlich tragen sich viele Menschen schwer damit, aber nicht jeder äüßert das, sondern tut so, als wäre alles in Butter. Das Loslassen ist bestimmt schwierig. Freu dich auf einen (neuen) Sohn in der Familie und lass dir Zeit. Du kriegst das hin 🙂

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  9. Möchten dürfen wir durchaus, es ist legitim. Und es ist auch nicht so, das Deine Wünsche völlig unbedeutend sind, bloss weil Du Mutter bist und dieses Wort ein Synonym für allumfassende Liebe ist. Als ob die einem gleichsam bei der Geburt des Kindes mit aus dem Schoss fallen würde, anstatt Ergebnis einer (mehrerer?) lebenslangen Seelenerweiterungsübungen zu sein.
    Die Du da gerade zu meistern hast, ist schon eine Besondere.

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