Befreit von altem Ballast

Was genau war das? Hat mir wirklich nur die Steuererklärung solche Angst gemacht?

Weshalb fühle ich mich jetzt so befreit und viel klarer im Kopf? Wo kommt die Energie her, die mir so fehlte?

Diese Fragen belagern mich seit Gestern früh. Genau zu dem Zeitpunkt, als die Steuerklärung endlich online gesendet wurde, ich den Ausdruck machte, mit den Unterlagen in den Umschlag tat und diesen adressierte.

In diesem Augenblick fühlte ich mich befreit. Aber wovon genau?

Da spielen so viele Faktoren eine Rolle, und ich versuche das mal für mich aufzudröseln.

  1. Ich habe so Probleme das Beamtendeutsch zu verstehen. Nur mal ein Beispiel: Kindschaftverhältnis. Tja, es sind meine leiblichen Kinder. Soweit so gut. Aber dann kommts: Ich muss Monate angeben, von wann bis wann…von Januar bis Dezember, jährlich….ich habe es einfach mal eingegeben….aber verstehen muss ich das ja nicht. Meine Kinder sind und bleiben doch meine Kinder.
  2. Woher kommt also meine Angst vor Behörden. Soviel schlechtes habe ich ja nicht erlebt. Aber allein die Art und Weise wie diese Schreiben aufgesetzt sind geben mir das Gefühl, potientiell etwas falsch zu machen. Heute habe ich zum Beispiel alte Arbeitsamtsgedönse aussortiert….und da vielen mir wieder die Drohgebärden auf, die dort mitschwangen. Und die haben mich zugekleistert mit Anschreiben aller Art. Das macht mir immer ein wenig Angst.
  3. Und die Angst vor Behörden wurde mir übertragen  in meiner Kindheit. Meine Eltern (Jahrgang 26/27) haben in ihrer Jugend richtig Angst haben müssen was Behörden angeht. Ich glaube, da habe ich mir einiges mitgenommen. Auch erinnere ich mich daran, wenn wir mal in die damalige DDR gefahren sind, an den Grenzen war die Bedrohung spürbar die von den Beamten dort ausging. Also, eine alte Angst, die ich da mitgeschleppt habe.
  4. Seit 6 Jahren lebe ich von meinem Ex getrennt. Aber wir waren noch zusammen veranlagt. Er hatte das immer gemacht, aber er ließ sich Zeit. Seit über 5 Jahren lebe ich unter dem Druck, meine Steuererklärung nicht allein machen zu können, was real ja gar nicht stimmte. Aber mein Gefühl war so. Dieses letzte Band der Abhängigkeit ist nun zerrissen. Ich bin jetzt frei.
  5. Ich kann schlecht damit leben, dass ich nicht alles richtig gemacht habe. Zum Beispiel habe ich noch eine falsche Steuerklasse. Aber jetzt wird das sicher auch geklärt.

 

Mein Kopf ist plötzlich klarer. Ich weiß jetzt, was ich für die nächste Steuererklärung brauche. Ich lege dafür einen extra Ordner an.

Heute habe ich angefangen, viel altes Papier weg zu werfen.

Am Wochenende habe ich noch einige Papiergedönse auszufüllen….aber es macht mir keine Angst mehr.

Gestern war ich nach der Arbeit erst einmal ins Sportstudio gefahren und habe mich da so was von ausgepowerd…..so das ich 20.30 todmüde ins Bett fiel. Die ganzen Stresshormone habe ich im Studio gelassen.

Und jetzt habe ich auch wieder den Kopf frei, um wieder mehr bei Euch zu lesen und zu kommentieren.

Es ist schon erstaunlich, wie sehr einem Gedankenkonstrukte, die im eigenem Kopf leben, Energie rauben.


19 Gedanken zu “Befreit von altem Ballast

  1. Ich kann das so nachvollziehen. Ich hab das Gefühl dieses beamtendeutsch ist ein Gewirr von Buchstaben. Seit ich meine Steuererklärung von einem lohnsteuerhilfeverein machen lasse, bin ich freier. Und seitdem ich auf Unterhalt vom exmann verzichtet habe, konnte ich selbstverantwortlich für meine steuern gerade stehen. Und diese Behördenangst gerade am grenzzaun kann ich auch. Da ist auch viel übertragen worden. Also, gut dass du dich befreit fühlst! Super! Kat.🌸

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  2. Ich glaube das es damit zusammenhängt, das bei unseren komplizierten Gesetzen eigentlich fast kein Tag vergeht, an dem man sich nicht in irgend einer Form zumindest in der Nähe der illegalität befindet. Ich beispielsweise steige grundsätzlich nie vom Rad ab, wenn ich auf einem Zebrastreifen die Straße überquere!!!!!! Oder fahre mit dem Auto auch 90 wenn 70 sind……. aufm Land oder so. Auch im Beruf gibt es sicher genug Beispiele. Na ja.
    Und wie du es sagst. Bei dem Beamtendeutsch MUSS man ja eigentlich irgend etwas falsch machen… der mitfühlende Luke

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  3. Ich kann das gut Nachvollziehen. Bei mir schwingen ähnliche Gefühle mit. Die Unsicherheit mit diesen Formulierungen, ist das jetzt richtig, was man da hin schreibt usw. Das macht nicht gerade gute Laune 😉 Es ver-unsichert und zieht natürlich Energie. Ich kann meine Freizeit auch mit schöneren Dingen verbringen 🙂

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  4. Beamtendeutsch und Versicherungspolicen, eine Lektüre, die ich verabscheue und um die ich einen Riesenbogen mache (wenn es geht)! Glückwunsch, du hast einen entscheidenden Schritt geschafft!

    Liebe herzliche Grüße zum Oktoberanfang,
    Anna-Lena

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  5. Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen. Vor einigen Wochen flatterte uns ein Brief eines Finanzamts ins Haus. Rotes Papier! Zwangsvollstreckung, wenn wir nicht umgehend Zwangsgeld zahlen. Hä? Wir sind beim Steuerring, müssen unsere Erklärung also erst Ende des Jahres abgeben. Hä? Nicht unser Finanzamt! HÄ?
    Der Ehemann hat sich wieder große Verdienste erworben und bei nächster Gelegenheit (der Brief kam natürlich Samstag an) mit zuständiger Dame telefoniert. Wir waren eine Karteileiche.
    Sowohl Menne als auch ich hatten aber sofort das Gefühl irgendwie was falsch gemacht zu haben.
    Was wenn der Gerichtsvollzieher dann doch vor der Tür steht? Müssen wir dann zahlen, obwohl wir gar nicht wissen wofür (ging aus dem Schreiben nicht hervor)? Kriegen wir das Geld je wieder? Eine Woche mit solchen Gedanken war definitiv eine zu viel.

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