Vollversammlung am Sonntag

Selbstbewusstsein: Ich begrüße euch zur wöchentlichen Vollversammlung. Das Haus ist ganz  gut wieder hergestellt. Alle sind gesund, oder? Ich komme nun zum Thema Bewegung…

Allgemeines Gemurmel, Angst ruft ihre Paniken zusammen.

Selbstbewusstsein: Bleibt ruhig, alles gut.

Antreiber: Also, das finde ich ja nun gar nicht. Sport, Sport, Sport, wo bleibt der Sport?

Schweinehund: Ich werde gar nicht mehr gefragt, immer muss Bewegung sein!

Verweichlicher: Alles tut so weh, und dann noch diese blöde Idee mit dem Crosstrainer. Kommt alles aus dem Gertrud-Blog! Schlimm genug diese Schwimmerei und das ewige Fahrradfahren!

Antreiber: Das muss deutlich mehr werden. Andere schaffen 60 Minuten auf dem Crosstrainer und andere fahren ja nun wirklich häufiger mit dem Rad und Schwimmen nennst Du das? Gefühlte 20 Minuten für eine Bahn! Lächerlich.

Schweinehund: Ich will das alles nicht mehr. Ich will Sofa.

Selbstbewusstsein: Mein Vorschlag: Schweinehund und Antreiber, ihr arbeitet ab heute als Team zusammen.

Antreiber: Nie im Leben. Träume weiter!

Schweinehund: Ich denk nicht dran!

Selbstbewusstsein: Wenn das nicht klappt, sage ich nur: Fitnessstudio!!!!!

Allgemeines Geschrei, Angst schickt Attacken vor, Fröhlichkeit fällt vom Stuhl, Antreiber grinst.

Selbstbewusstsein: Antreiber und Schweinehund, ihr seid dafür verantwortlich, dass es genug Bewegung gibt. Freiwillig! Sonst Studio!

Antreiber: Na gut, dann lieber brav sein. Aber 20 Minuten Crosstrainer ist ja nun wirklich lächerlich!

Fan: Ist doch prima!

Vernunft: Wird ja noch aufgebaut!

Selbstbewusstsein: Antreiber hält sich ab heute zurück und Schweinehund auch.

Schweinehund: Ich will aber auch mal gewinnen!

Selbstbewusstsein: Ja, o.k. Du meldest dich ab und zu und dann darf die Faulheit mit dir zusammen arbeiten. Antreiber passt dann auf, dass es nicht zu viel wird und man nur noch herum liegt.

Schweinehund: Und ich passe auf, dass das Antreiben nicht zu viel wird. Prima. Komm her Freund!

Antreiber und Schweinehund umarmen sich. Miteinander ist doch besser als gegeneinander, auf jeden Fall besser als Fitnessstudio!

Liebestöter: Ich habe noch einen Punkt. Also gestern das Kartenspielen mit den vier Frauen war ja wohl das letzte. Was sitzen die zusammen und konzentrieren sich kein Stück auf das Spiel?

Freude: Oh, was haben wir gelacht!

Humor: War ich nicht komisch? War ich nicht spritzig? War ich nicht toll?

Antreiber: Das Spiel wurde absolut nicht ernst genommen. Was soll das, wertvolle Zeit kann viel besser genutzt werden als mit diesen Albernheiten.

Liebe: Nein, ganz und gar nicht! Ich habe mich so sehr gespürt, wie schon lange nicht mehr.

Zweifler: Ja, aber wie können sich die alten Weiber so amüsieren? Steht ihnen das zu? So ganz ohne Männer? Wieso haben die alle keinen Mann?

Antreiber: Genau, die sollten sich lieber mal bemühen, einen zu finden. Erst mal abnehmen, Falten bügeln, High Heels angezogen und los, Männer suchen.

Peiniger: Genau. Frau ohne Mann ist nur halb so viel wert, das weiß man doch! Kein Grund so fröhlich zu sein!

Inneres Kind hüpft auf und ab, klatscht in die Hände und lacht: Du bist vielleicht blöd! Da hören wir schon mal gar nicht hin! Ich will spielen! Ich will gewinnen. Ich will lachen! Wann gehen wir wieder los?

Schweinehund: Schon wieder? Reicht es nicht einmal im Jahr!

Fan: Spinnst Du? Lachen und Erzählen ist so toll. Ich will mehr davon!

Vernunft: Das machen wir bald wieder. Dann gibt’s Bohnenkuchen…..

Selbstbewusstsein: Ja, ganz bestimmt. Liebestöter muss sich mehr zurückhalten!

Liebestöter: Hä?

Selbstbewusstsein: Ich schließe die Versammlung. Nächste Woche machen wir weiter. Und heute Abend, lieber Schweinehund, geht es ins Kino! Mit den anderen Frauen.

Kritiker: Na, wenn das man gut geht und die endlich mal ihre Klappe halten können……

Selbstbewusstsein: Wird schon!

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28 Gedanken zu “Vollversammlung am Sonntag

    1. Ja, ich habe gerade gelernt, dass unsere Gehirne laufend Gedanken „absondern“. Meistens nimmt man sie nicht wahr. Für mich ist es hilfreich, ab und zu hinzuhören und herauszufinden, wer oder was sich da eigentlich meldet, woher das kommt und ob es mich hemmt oder vorwärts bringt. Diese kleinen Geschichten dazu sind mein Mittel zur Wahrnehmung. Manchmal kann ich seit kurzem doofe Gedanken stoppen, wenn sie mir bewusst werden.

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    1. Also, meine Mitglieder haben seit kurzem keine Wahl, sie MÜSSEN erscheinen. Im Untergrund agieren ist nicht mehr. Selbstbewusstsein übt sich in der Rolle als Chef. Wahlausschuss? Müsste es überlegen, ob das wohl so sinnvoll ist.

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    1. Der fehlende Gesprächsleiter war immer mein Problem. Jetzt setze ich manchmal bewusst einen ein und übe mit diesen kleinen Geschichten. Ich freue mich so über Dein Lachen, das gerade hier angekommen ist!

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    1. Ja, es geht hoch her und mit zwei Seelen komme ich vielleicht nicht aus. Diese kleinen Geschichten helfen mir, mich besser zu durchschauen. Auf die Idee bin ich in einer Familienaufstellung gekommen, in der einige meiner „Anteile“ aufgestellt wurden. Werde ich nie vegessen, diese Aha-Erlebnisse. Ich freue mich, dass Dir der Text gefällt.

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