Trotz alledem?

Im Moment wird es mir einfach zu viel.

Gestern nach den Spätnachrichten dachte ich, dass ich das alles gar nicht mehr sehen, hören, lesen und wissen will. Meine Gelassenheit wird brüchig. Habe ich hier vor ein paar Tagen in einem Kommentar noch geschrieben, dass es meiner Meinung nach genau so viel Gutes wie Böses in der Welt gibt, das Negative aber einfach nur einen höheren Nachrichtenwert hat, fällt es mir gerade schwer, mich weiterhin damit zu beruhigen. Ich frage mich, ob die Welt wirklich eine andere wäre, wenn das Positive einen genau so hohen Stellenwert bekäme.

Eins kommt zum anderen. Es braut sich etwas zusammen. Ich sehe, ich weiß, ich ordne es geschichtlich ein, ich mache mir ein Bild, ich bin erschüttert. Trotzdem kann ich von dieser Stelle aus nichts ändern. Oder?

Aber was tun? Wirklich die Welt-Nachrichten ignorieren und sich auf das Lokale beschränken? Geht es mir dann besser?

Wahrscheinlich stecke ich den Kopf nicht in den Sand. Zunächst suche ich nach Menschen, mit denen ich darüber reden kann. Ich höre, was andere darüber denken. Vielleicht lerne ich auch dazu. Vielleicht gibt es doch einen Ausweg, um aus dem Gefühl der Hilflosigkeit herauszukommen.

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16 Gedanken zu “Trotz alledem?

  1. liches. In der westlichen Welt werden wir behütet, weil wir Steuern zahlen. Aber vor allem können wir nicht geschützt werden. Es gibt immer Sicherheitslücken. Es bringt aber nichts alles zu ignorieren. Ich würde für 1 Woche kein Fern sehen, keine Tageszeitung lesen dann wird das Gefühl der Hilflosigkeit besser. Dieser Kommentar ist zweigeteilt, weil ich ausversehen auf senden drückte…
    Hoffe konnte helfen….alles liebe

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    1. Du hast recht. Ich bin auch nicht auf der Schiene:“ Heute ist alles viel furchtbarer als früher!“ Ich weiß sehr wohl, dass es nicht so ist. Wir leben damit, dass wir viel besser informiert (gefiltert, ich weiß!) sind und damit auch mehr vom Unglück erfahren.
      Mein Unbehagen (meine gefühlte Hilflosigkeit) ist nicht nur auf Deutschland bezogen, sondern auf die Gesamtlage.
      Gerade meine Generation hat ihren Eltern und Großeltern wegen ihrer Vergangenheit schwere Vorwürfe gemacht. Warum habt ihr nichts gemerkt und etwas dagegen getan? Ich weiß nicht, was ich antworten soll, wenn mir spätere Generationen ähnliche Fragen stellen.
      Trotz alledem will ich mich gut fühlen und genießen, was zu genießen ist. Und mich mit anderen austauschen.

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      1. Dann bist du doch nicht hilflos. Vielleicht einwenig hoffnungslos aber ansonsten autark. Man sollte auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn es einem gut geht. Du sagst es. Jeder hat sein Kreuz zu tragen.
        Ich tausche mich auch gern aus und mir geht/ging es wie dir.

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  2. Ich habe heute im Radio ein Interview mit einem Psychologen gehört und der Rat lief auf Nachrichtenfasten und Verdrängen raus.

    Ich hab heute eine recht erschütternde private Nachricht bekommen, aber ich kann nichts an der Situation ändern. Also werde ich heute meinen Ferienanfang wie geplant zelebrieren.

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  3. Ich wünsche Dir schöne, erholsame Ferien. Und alles Gute auch mit oder trotz der schlechten Nachricht.
    Wahrscheinlich ist das „Nachrichtenfasten“ gar nicht so verkehrt. Wenn man an der Situation nichts ändern kann, soll man es nicht auf die persönliche Ebene heben. So verstehe ich den Rat des Psychologen. Ich handhabe es meist auch so, aber heute war mein Unbehagen größer als sonst. Ich frage mich nach meiner eigenen Verantwortung.

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      1. Ja, das stimmt und ich kann den Gedanken auch gut umsetzen. Aber für mein Handeln (z.B. Konsumverhalten, Politische Arbeit, Wahlverhalten…) oder Nicht-Handeln übernehme ich die Verantwortung! Und hier prüfe ich gerade, ob ich etwas verändern möchte oder nicht. Wenn ich nichts verändern will, obwohl ich es besser weiß, übernehme ich auch dafür die Verantwortung.

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  4. Nachrichtenfasten – ein toller Begriff, der für mich zu einer Art Credo geworden ist.
    Ich fühle mich hilflos, wie du und ich sehe auch keine Möglichkeit, irgendetwas zu ändern, außer in unserer eigenen kleinen privaten Welt. Damit kommen wir unserer Verantwortung in großem Umfang nach.
    mehr bleibt uns nicht.

    LG Anna-Lena

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    1. Anne-Lena, Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich weiß, dass ich damit mehr als genug zu tun habe. Aber etwas in mir möchte prüfen, ob ich nicht doch mit einem winzigen, winzigen Teil für das Große und Ganze Verantwortung trage.
      Ich freue mich, dass die Sommerpause bald zu Ende ist und ich diese Fragen in meine Philosophie-Gruppe tragen kann. Das wird sicher eine rege Diskussion, auf die ich mich freue.

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  5. moin und servus ihr Lieben … befinde mich wie jedes Jahr … für ein viertel Jahr in meiner Datscha in Polen … jenseits von Gut und Böse …von Katastrophen und Horrormeldungen … kein Telefon …kein TV .. nur mein Läppi und meine beiden Samtpfoten … der Seelenmüll wird hier …. am Steg des Lebens abgeladen — ich lasse nur das an mich heran – was *mir gut tut* und mich glücklich macht –
    die Evolution hat ihren Fortschritt nicht verfehlt – wir sind fast am Ende angekommen – der globale Feinschliff des Bösen nimmt erschreckende Formen an … am Ende siegt die LIEBE –

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    1. Wie herrlich müsssen die drei Monate Auszeit sein und heilend dazu. Du machst es richtig. Eigentlich könnte ich das auch hier zu Hause umsetzen…….Ist eine Überlegung wert.
      Deinen letzten wunderbar formulierten Sätzen schließe ich mich an. Ich wundere mich, dass ich mich beim Lesen so friedlich und gelassen fühle.
      Alles Gute und genieße die Zeit und einen dicken Gruß auch an Samtpfoten!

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  6. Ich halte es für gefährlich, die Augen davor zu schließen, dennoch, ist es genauso wie du schreibst, es belastet, es schraenkt ein und die Diskussion am Rande über Zuwanderer, Stimmen die behaupten, all das Grausame sei inszeniert, Nato, Russland, usw. Unser Land wird geschwächt zurzeit, dennoch sind wir das Volk, wir bestimmen, wie wir damit umgehen, was wir dagegen tun wollen und was nicht. Und wir haben gewählt, unser Vertrauen gegeben. Nun ist es an der Zeit, dass bewiesen wird, dass es nicht missbraucht wird. Die Frage ist eben auch, wieviel die Presse dazu beitraegt, und wieviel sie nicht beitraegt, was wir noch glauben können und was nicht. Diese Verunsicherung spielt zur Stimmung auch noch eine große Rolle. Vielleicht hilft es, die Stimmung vor Ort aufzusaugen und zu sehen, das es zwar Angst und Terror gibt, aber jeden Tag auch viele schöne Dinge geschehen, auch wenn sie von den Tagesnachrichten überschattet werden.

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    1. Ja, so ist es. Ich bin nur ein winzig kleiner Teil vom Ganzen und trage mit meinem Handeln (z.B. Konsumverhalten) oder Nicht-Handeln eine winzige Verantwortung für diese Entwicklung. Ich denke darüber nach, ob ich hier etwas verändern kann und will. Ich verschließe nicht die Augen , möchte mich aber auch nicht verschleißen lassen. Darum ist die Entscheidung richtig, das Gute in meinem Leben zu würdigen und alles Schöne zu sehen und zu genießen! Zum Ausgleich!
      Liebe Grüße!

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