Was macht eine Schulbegleitung eigentlich? Teil 3 – Ende

Zum Teil 2 hier entlang

 

Zum Abschluß dieser kleinen Reihe möchte ich noch von drei Dingen erzählen.

  1. Abwechslung

Meinen Beruf liebe ich so sehr, weil kein Tag wie der andere ist. Entweder ändert sich der Stundenplan, ein Lehrer fällt aus, Konflikte sollten gelöst werden, es findet eine Aufführung statt…..Ich muss flexibel reagieren. Dabei habe ich es noch gut, das Organisieren ist ja Aufgabe der Lehrer. Ich brauche nur mit zu laufen.

Auch während ich mit meinem Schüler arbeite, muss ich immer in der Lage sein, auf andere Methoden etc. zu zu greifen.

Durch meine Schulbegleitung habe ich eine Moschee besucht, war in Köln, konnte durch die Praktika meines Zöglings Einblick in andere Berufsbereiche werfen, konnte eine schöne Rheinfahrt erleben usw.

Es gibt natürlich viel Streß und auch Konflikte mit Kollegen und Schülern. Aber die besonderen Augenblicke, die sind es, die sich wie Edelsteine in meiner Schatzkiste einsammeln.

 

2. Atmosphäre

An meiner Schule herrscht überhaupt eine offene und freundliche Stimmung. Hier arbeiten viele Menschen aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammen: Lehrer, Schulbegleiter, Krankenschwestern, Therapeuten……

Über Konflikte möchte ich nicht erzählen, die gibt es natürlich. Aber ich glaube, dass kann sich jeder denken.

Aber wie beschreibe ich die andere, lebendige Seite? Manchmal, wenn ich mit Kollegen rumalbere, überlege ich, wie sag ich das meinen BlogleserInnen?

So ähnlich wie zum Beispiel Sanitäter ihren eigenen Humor haben, ist es bei uns auch.

Wir lachen viel, scherzen auch mit den Schülern. Aber wie erklären, welcher Art dieser Humor ist? Ich kann es nicht….nur erzählen, wie gut das ist. In unserem Beruf mit behinderten und schwerstbehinderten Kindern gibt es nicht nur Ernsthaftigkeit und Traurigkeit, nein, es gibt Freude, Lebensfreude und viel viel Energie.

Als Schulbegleiterin kann ich mit den Schülern auf eine andere Ebene eingehen als die Lehrer. Wenn ich mich beschreiben würde, was könnte ich da sagen? Ich bin schon eine führsorgliche Autorität für die Schüler, aber auch eine, die sehr albern sein kann, die gute Laune versprüht und beim Wasserball ihr inneres Kind toben läßt.

Und trotzdem setze ich Grenzen, vermittel päddagogische Inhalte.

3. Vermittlerin.

Da ich einen autistischen Jungen begleite, gibt es noch einen wichtigen Bereich, von dem ich noch nicht erzählt habe.

Vorweg muss ich noch sagen, jeder Autist ist individuell.

Ich versuche also, mich in meinen Schüler hinein zu fühlen. Vor allem steige ich in das streng logische Denken ein, das nicht so gefühlsbeladen ist.

Ein Beispiel:

Mein Schüler hat sich während des Praktikums nie von mir verabschiedet, wenn er wieder zu Hause war.

Das wirkt ersteinmal unhöflich.

Ist es aber nicht. Denn aus seiner Sicht habe ich ja gesehen das er zu Hause ist. Und aus seiner sicht, weiß ich ja, dass die Arbeit zu Ende ist. Wozu dann noch Tschüß sagen, wenn es so offensichtlich ist?

Meine Aufgabe besteht darin, ihm zu vermitteln, dass es höflich ist, sich zu verabschieden.

Ich unterstütze ihm im sozialen Verhalten. Denn das ist in vielen Bereichen für ihn nicht nachvollziehbar. Gerade bei Konflikten gelingt es ihn oft nicht, andere Verhaltensweisen auszuprobieren. Das übe ich mit ihm ein.

Mir passiert es inzwischen, dass ich mit Sprache anders umgehe,weil ich sie wort-wörtlich nehme! Das führ oft zu Mißverständnissen.

Noch ein Beispiel:

Am Ende des Praktikums wurde mein Schüler gefragt, ob er mal wieder kommt. Damit war gemeint, dass er gut gearbeitet hat, und die Frage war eine Floskel.

Mein Zögling überlegte und sagte nein. Das wirkt wieder sehr unhöflich, war es aber wieder nicht. Aus seiner Sicht war das Praktikum zu Ende, er würde wieder in die Schule gehen. Weshalb also sollte er wieder kommen? An solchen Punkten setzt dann meine Vermittlungsarbeit an.

Das Schwierige ist, dass ich nur raten kann. Denn ich bin keine Autistin, also Dolmetsche ich eine Sprache, die ich nicht spreche. Und meinem Schüler versuche ich die Floskel zu erklären. Und das geht manchmal nicht.

Ein letztes Beispiel: Ich vertrat eine Kollegin und begleitete einen Autisten. In einer Unterrichtsstunde gab es Kuchen für alle. Wir aßen diesen und ich fragte den Schüler, ob ihm der Kuchen schmecken würde. Ihr merkt: eine Floskel, eine smal talk.

Dieser Schüler schaute mich irritiert an. Dann meinte er „Wenn er mir nicht schmecken würde, dann würde ich ihn nicht essen.“

Tja, was soll ich sagen. Aus seiner Sicht hatte er recht. Weshalb frage ich eigentlich? Das sind Situaitonen, die ich gut mit Humor nehmen kann. Weil mir deutlich wird, dass wir „Nichtautisten“ manchmal einen Blödsinn veranstalten, wenn man es genau betrachtet.

 

Das wär es so im Groben. Ich danke Euch, dass ihr mich  durch meinen Arbeitsbereich begleitet habt. Ich hoffe, Ihr hatte ein wenig Spaß dabei.

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15 Gedanken zu “Was macht eine Schulbegleitung eigentlich? Teil 3 – Ende

  1. Danke für deine Berichte. Gerade das mit der anderen Sprache war sehr verdeutlichend, wie unterschiedlich Menschen sein können. Ich habe keinen Autisten zu hause, aber doch ein besonderes Kind (ist nicht jedes Kind besonders?). Und da muss ich auch oft meine Sprache wechseln. Ich kann es nicht anders erklären. Du verstehst, was ich meine? Ich habe gehörigen Respekt vor deinem Beruf. Danke, dass du diesen mit so viel Leidenschaft und Liebe ausübst!

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  2. Dieser Beruf fordert wohl sehr, dass man sich selbst zurück nimmt, sich in eine andere Lebenswelt einfühlt und einfügt und gut vermitteln kann. Ich wünsche dir da neben Bestätigung und Erfolg vor allem auch Raum wieder bei dir sein zu können.

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      1. Dieses Thema von Nähe und Distanz ist mir wohlbekannt. Als ehemalige Altenpflegerin sehe ich diese Dinge auch sehr differenziert…..vor allem das es ein ewiger Prozess ist….man kann also nicht irgendwann mal sagen „So, jetzt hab ich’s“, sondern muss immer wieder neu ausloten wieviel Nähe man zulassen möchte und wieviel Distanz es gebraucht….

        Ich habe diesen Job sehr gerne und mit Hingabe gemacht und hatte immer ein gutes Verhältnis zu meinen Oldies. Aber als stellvertretende Vorgesetzte kam dann auch noch das „sich kümmern“ um das Personal etc. dazu….was ich auch liebend gerne gemacht habe….

        Aber: es bedeutet auch immer aufmerksam für sich selbst zu sein / zu bleiben. Einerseits was die Körperlichkeit betrifft – andererseits was eine gute Psychohygiene betrifft….

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      2. So wie ich dich in deinem Blog erlebe kann ich mir richtig vorstellen, mit welcher Hingabe Du Deinen Beruf ausgeübt hast und mit wieviel Herz.
        Das Abgrenzen muss ich immer wieder ausloten, auch in meinem Privatleben. Achtsamkeit ist da gefragt.

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      3. Dankeschön für das grosse Kompliment :-* ja, das habe ich….und da es eine Tagespflege für Senioren war konnte ich mich viel auf einer Ebene einbringen, die in der Pflege oftmals zu kurz kommt: die Aktivitäten 🙂 da gab es Ausflüge, Projektwochen, Festivitäten zu planen und auszuführen wo mir das Herz aufging ❤ die Highlights waren die Impro Theater, die ich mit den Oldies einstudierte und aufführte….hach…..

        Ja, bleib dran mit dem Abgrenzen, Liebes….es lohnt sich….wenn nicht immer gleich im Augenblick ersichtlich, aber ganz sicher auf lange Sicht 😉

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