Was macht eine Schulbegleitung eigentlich? Teil 2

 

Zum Teil 1 hier entlang

 

 

„Sechs Wochen Ferien! Du hast es gut!“

Das stimmt. Ich empfinde es als Luxus Ferien zu haben, zumal ich ein schulpflichtiges Kind das meine nenne.

Und ja, ich habe 6 Wochen frei.

Aber ich habe nicht soviel Urlaub. Im Gegenteil, meine Urlaubstage liegen untertariflich…..

Ich mache regelmäßig Überstunden. Also habe ich mir die freie Zeit erarbeitet. Sie wird mir nicht geschenkt.

Schulbegleitungen erhalten oft nur Jahresverträge. Und werden untertariflich bezahlt…..dann ist so eine Ferienzeit ein schöner Ausgleich, finde ich.

Mein Zögling wird Ende nächsten Schuljahres in die Werkstatt gehen. Deshalb wird es meine Aufgabe sein, mit ihm das nötige Werkzeug, das er braucht einzuüben.

Zum Beispiel Einkaufen: Einkaufszettel erstellen. Die Sachen finden. An der Kasse zahlen. Das klingt alles so einfach, aber für meinen Zögling  ist es das nicht.

Das fängt beim finden eines Raumes an und endet mit der Handhabung eines Küchengerätes. Für meinen Zögling ist es wichtig, tägliche Handlungsabläufe immer und immer wieder zu üben.

Im ersten Schritt erhält er Bildkarten, auf denen die Handlungen abgebildet und in der richtigen Reihenfolge angebracht sind. Dann kann er sich orientieren. Und irgendwann schafft er es allein ohne Hilfsmittel.

Deshalb wird in einigen Unterrichtseinheiten der Hauswirtschaft mit Stationen gearbeitet. Einer zerschneidet das Brötchen, einer schmiert Butter drauf, einer legt Käse drauf, einer packt das Bröchtchen in die Tüte. Die Schüler bleiben ein halbes Jahr an der gleichen Station.

Das kling etwas abschreckend, da wir im allgemeinen Abwechslung lieben. Für meinen Schüler ist das anders. Er wird immer sicherer, kennt bald die Abläufe und braucht zuletzt  keine Unterstützung mehr.

Als Schulbegleiterin plane ich den Unterrichtsinhalt nicht, das ist Sache der Lehrer. Ich muss herausfinden, wie ich meine Zögling unterstützen kann. Deshalb ist gute Zusammenarbeit mit dem Lehrer so wichtig und kreativ.

Da mein Zögling sehr selbstständig ist, habe ich den Luxus, auch andere Schüler unterstützen zu können. Das ist für mich schlicht die Kür meines Berufes. Weil es vollkommen freiwillig ist. Weil ich es gerne mache.

Ich habe das Glück, dass ich mich mit dem jetzigen Lehrerteam gut verstehe und wir Hand in Hand zusammenarbeiten.  Ich kann meine Ideen entwickeln und umsetzen, nehme die „Anweisungen“ der Lehrer an.

Als Schulbegleiter wechselt man oft die Klassen. Jeh nach dem wie lange ein Schüler begleitet wird.

Mein Zögling ist mein erster Schüler, den ich begleite……und ich merke, es ist nicht einfach Distanz zu halten. Wenn er nächstes Jahr abgeht ist es eine Trennung, die mir schwerer fällt, als wenn ich eine Gruppe betreue. Da bin ich einfach nicht so nahe dran. Um die Distanz zu halten, lasse ich mich Siezen, auch von der Mutter.

Als Schulbegleitung stehst Du in einen Knotenpunkt: Die Lehrer, Dein Arbeitgeber, die Eltern und der Zögling selbst.

Und genau dass ist es, was ich liebe. Ich muss vermitteln, Infos weiter tragen, die Interessen meines Zöglings vertreten.

Ich bin etwas zu Gluckenhaft, aber hier kann ich es ja sagen: Ich bin so stolz auf meinen Zögling, der in letzter Zeit entspannter war und einen riesigen Entwicklungssprung gemacht hat.

Mein Job ist es, mich überflüssig zu machen. Und ein großer Schritt in die Richtung ist getan.

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20 Gedanken zu “Was macht eine Schulbegleitung eigentlich? Teil 2

  1. du hast einen so wichtigen Job .Mir persoenlich wuerde wahrscheinlich die Geduld fehlen .und du hast recht, eigentlich ist es ein Paradox, wenn du es so richtig gut machst, wirst du nicht mehr gebraucht, und kannst stolz darauf sein!!

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  2. Du hast dir deine Ferien redlich verdient und hast auch ein Recht, sie zu genießen. Ohne die Schulbegleiter wäre das Leben für so manchen Lehrer noch schwerer.

    Ich hatte heute meine letzten beiden Unterrichtsstunden. War ganz schön komisch, seit meine 13. weg ist, hatte ich ja noch Unterricht in einer 7. Klasse. Wir haben zwar den letzten Tag erst am kommenden Mittwoch (20.7.), aber bis dahin sind Sport- und Sommerfest und all diese „Spiel“tage vor den Ferien. Für mich beginnt am kommenden Mittwoch die zweijährige Freistellungsphase der Altersteilzeit.

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      1. Momentan entkerne ich mein Arbeitszimmer und schleppe in die Schule, was Kollegen an Material vielleicht noch gebrauchen können. Vieles miste ich aber auch aus und ich staune, wie groß mein Arbeitszimmer eigentlich ist.
        Dann mache ich erst mal Ferien und sehe danach ganz gemütlich weiter. Ich mache mir keinerlei Druck und sortiere mich und mein Leben erst einmal.

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    1. Heißt das, Du gehst jetzt ganz aus dem Berufsleben? Also in Rente sozusagen? Dann viel Spaß und Freude in einem Leben ohne Schule! Ist gewöhnngsbedürftig, aber durchaus machbar! Und herrlich entspannend!

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      1. Ja, das heißt es. Allerdings gehe ich nun zwei Jahre in die Freistellungsphase der Altersteilzeit, d.h. zum 1.8.2018 scheide ich aus dem Schuldienst aus. Bis dahin darf ich mit Gehalt zuhause bleiben (oder zwei Jahre weiter arbeiten und dann ohne Abzüge für die Rente. Mittlerweile werden wieder Lehrter wie Sand am Meer gesucht) . Ich versuch es erst mal mit der ZEIT FÜR MICH 🙂 .

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  3. Das ist eine wunderbare Arbeitsplatzbeschreibung und Du machst mit Sicherheit eine sehr gute Arbeit! Glückwunsch, dass es bei Dir im Team so toll klappt!

    Ich kenne Deinen Beruf ja sehr gut aus eigener Anschauung, allerdings aus der Sicht einer Klassenlehrerin (Förderschule G). Alle im Klassenteam benötigen eine sehr hohe soziale Kompetenz, um miteinander einen guten Unterricht durchzuführen. Man arbeitet doch recht eng zusammen und Konflikte können jederzeit entstehen und müssen professionel gelöst werden. Es war nicht immer einfach für mich „meinen“ Schulbegleiterinnen gerecht zu werden. Ich musste mich als Lehrerin erst daran gewöhnen, dass nicht nur die Schüler mich und meinen Unterricht ständig beurteilten, sondern zusätzlich immer zwei bis fünf (oft sehr kritsche) Erwachsene. Ich konnte an den Gesichtern ablesen, wenn ich so gar nicht gut ankam. Oft sah ich zum Glück natürlich auch freundliche Gesichter und Zustimmung.
    Ohne die Schulbegleiter(innen), die sich fast alle auch für freiwillige Aufgaben engagierten, wäre ich manchmal wirklich aufgeschmissen gewesen. Auf der anderen Seite habe ich ihnen dann auch einiges „durchgehen lassen“, was nicht unbedingt in mein pädagogisches Konzept passte. Flexibel muss man auf beiden Seiten eben sein.
    In meiner Anfangszeit als Lehrerin habe ich mit zwei Schulbegleitern sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Oh je, wie viel Kraft und Nerven mich das gekostet hat. Viele Stunden Supervision waren nötig, bis ich mich wieder auf die „Beine stellen“ und mich ganz auf die Schüler konzentrieren konnte.
    Die schönen Erinnerungen an die Schulbegleiter(innen) überwiegen zum Glück.

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    1. Liebe Frau Holle, Ich schrieb eine Antwort an dich….Aber diese ist verschwunden….

      Vielen Dank dass Du aus deiner Lehererinsicht erzählst, das finde ich spannend. Das dir meine Beschreibung gefällt macht mich stolz.

      Wenn die Chemie im Team nicht stimmt kann es furchtbar sein.

      Ich muss im Unterricht manchmal aufpassen dass ich mich nicht melde…..

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  4. Das kann ich mir vorstellen und ich habe auch erlebt, dass sich die Schulbegleiterinnen vom Inhalt des Unterrichts so angesprochen fühlten, dass sie wie die Schüler reagierten. Fand ich wunderbar und die Schüler fanden es witzig!
    Ja, die gute Chemie im Team ist so wichtig. Es passt eben nicht immer zusammen, was zusammen gefügt wird. So gesehen hatte ich die letzten Jahre großes Glück.

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