Das geschah, als Ilse den Eichhörnchengeist gefangen hatte…..

 

Nachdem Ilse den Eichhörnchengeist mit dem Schmetterlingsnetz gefangen hatte, blitzte es unerwartet und heftig. Neben ihrem Laptop lag ihr Smartphone, und aus diesem schlugen die Strahlflammen nur so um sich.

Der Eichhörnchengeist war vergessen, mit großen ungläubigen Augen schlich Ilse auf Zehnspitzen zu ihrem Handy. Die Gedanken schlugen Quer, trommelten heftig, ließen ihren Atem einen Wettlauf mit ihrer Wut antreten.

„Nein.“ Ilse flüsterte dieses Wort, um es als Schwert in ihren Händen zu halten.

Das Handy flackerte boshaft, und aus ihm heraus entstieg eine kleine Karte. Mit großen runden Augen und ungemein niedlich. Eigentlich müsste Ilses Mutterinstinkt aufseufzen und diese Karte umhüllen.

„Nein“ hauchte Ilse erneut. Das konnte nicht sein. Sie hatte genug mit ihrem Laptop auszustehen. Und nun auch noch ihr Handy?

Die Karte setzte sich eine Brille auf und zog eine  Liste hervor.

„Frau Ilse, wollen sie nicht einkaufen gehen? Jeden Donnerstag pflegen sie zum Supersuperbilligmarkt zu gehen.  Sie müssen sich beeilen….“ ein kurzer Blick auf die Liste….“ja genau…..sie haben nicht mehr soviel Zeit. Denn jeden dritten Donnerstag alle zwei Monate pflegen Sie ihren Friseur Boris aufzusuchen, und zwar um 17.00. Das wäre heute, und wir haben schon 16.00.“

Die Karte räusperte sich. Dann erblickte es den armen eingefangenen Eichhörnchengeist, welches verzweifelt versuchte, das gierige Schmetterlingsnetz zu zernagen. Was ihm gelungen wäre, wäre es ein reales Eichhörnchen, aber als Geist fehlte doch etwas an Substanz.

„Frau Ilse, sie müssen jetzt noch ihr Beruhigungsmedikament einnehmen, welches sie in den letzten Wochen in der Adlerhorstbärenapotheke gekauft haben. Außerdem haben sie mich noch nicht mit ihrer Waschmaschine synchronisiert. Und mein Antiviruskumpel ist ausgeschaltet.

Wissen Sie eigentlich wie langweilig mir ist?“

Ein spitzer Schrei entstieg Ilses Lippen, welche mit ihrem Nein-Schwert auf das Smartphone einschlug. Ein wilder Impuls ließ auch das Laptop auf den Boden knallen.

„Ich bin frei….ich bin frei ….ich bin frei….“ Ilse fühlte die Flügel, die ihr wuchsen. Mitleidlos zerstörte sie ihre e-Geräte.

„Frei…..frei…..frei….“

An der Tür klingelte es.

Hochrot vor Lebensfreude öffnete Ilse die Tür, das Schwert hinter sich werfend.

Ab nun würde sie wieder mit Stift und Papier schreiben. So wie früher. Als sie noch mit ihren Ideen und Inspirationen befreundet war. In einem Cafe würde sie sich gemütlich niederlassen und endlich wieder kreativ sein können.

Aber die drei Herren, welche vor der Tür standen, einen Fuß über die Schwelle gehoben, hatten anderes im Sinn. Sie wirkten irgendwie düster, miteinander verflochten und flimmerten.

Sie lächelten als sie Ilse direkt mit dem Netz verbanden.

 


4 Gedanken zu “Das geschah, als Ilse den Eichhörnchengeist gefangen hatte…..

  1. Da hat Ilse/ Hilde wohl offensichtlich eine sehr weise Entscheidung getroffen. Darf ich mich zur Ilse gesllen. Wen nehme ich denn, ah Aurora, die ist mir im Augenblick am Nächsten.
    Zur Erinnerung: Aurora ist eine knabehafte Seiltänzerin mit grauen Haaren, diwe immer wieder auf Wanderschaft geht, um ihr Seil – wo auch immer- aufzuhängen.
    Sind Hilde und Ilse am Ende doch zwei Seiten einer Medaille?

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