Passwortwahn……

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Hilde hielt ihr Nudelholz fest vor der Brust verschränkt. Mit dem Rücken stand sie an die Wand gepresst, die Augen glitten mit leicht irren Blick umher.

Modern wollte sie sein.

Mit der Zeit gehen.

Also her mit dem Handy.

Dem E-Book.

Dem Laptop.

Hilde dachte, man würde diese Dinge ganz einfach benutzen. Anstellen, tippen, surfen…..Bingo.

So naiv ging Hilde an ihren Laptop. Sie wollte in einem Forum für junggebliebene  Jungesellinnen um die 50 mitschreiben. Und online-Banking betreiben….und eventuell online-bücher-ausleihen.

Ihre Freundin, die patente Gisela schwärmte neulich bei einem Kaffee davon, wie einfach das sei.

„Man kommt in Kontakt mit Menschen aus aller Welt. Es ist so interessant. Hilde, Du lebst hinter dem Mond.“

Gisela gehörte zu den Frauen, die immer modern angezogen, leichtfüßig und aufgeschlossen durch das Leben tanzten.

Hilde bewunderte ihre Freundin und wollte es ihr gleichtun.

Nur, bedachte Hilde nicht, dass sie Hilde war.

Und jetzt stand sie angstzitternt in ihrem Flur, nachdem sie das Wohnzimmer fluchtartig verlassen hatte.

Seit drei Tagen versuchte sie Internet. Dabei wollte siefürs erste ja nur online-banking. Gut beraten von ihrer Sachbearbeiterin ließ sie sich auf dieses Abenteuer ein.

Und damit ging es los.

Zunächst musste das Laptop synchronisiert werden, frisiert, gewickelt und gebadet. Dann konnte sie es erst benutzen, nachdem sie ein Hundertbuchstabenpasswort erfand, welches wiederum in eine leicht zu merkende vierstellige Pin-Nummer verwandelt wurde, welches niemals nirgends aufgeschrieben werden durfte.

Um sich diese zu merken, nutze Hilde ihr Handy, welches als Eingangssicherheitschlüssel ein Wilhelmbuschgedicht benötigte. Welches vorher eine Pin-mit-Pfiff war, welches demnächst in ein einfaches Happy-Wort gewechselt werden würde…..

Also, zunächst das Wilhelmbuschgedicht eintippen, dann die Pin herausfischen, und flugs ab zum Laptop. Dann musste dieses wiederum geschützt werden vor Erkältung. Dazu gehörte Hustensaft und ein update von 24 Stunden.

Und endlich, endlich konnte Hilde den Browser aufrufen, welcher auf den Namen Erwin reagierte. Erwin wiederum benötigte erst einmal ein kräftiges Frühstück, eher arbeiten wollte.

Inzwischen kletterten kleine Hacker den Tisch hinauf, um Hildes Handy sowie Laptop sowie e-Reader anzugreifen.

Das war der Augenblick, als Hilde in die Küche rannte, ihr Nudelholz aus der Schublade zerrte und angstzitternd in den Flur floh.

Aus dem Wohnzimmer tönten Kampfgeräusche.

Wer würde gewinnen?


23 Gedanken zu “Passwortwahn……

  1. so richtig gut geschrieben…ich habe eben so geschmunzelt. Du triffst es wirklich auf den Punkt! Es werde wohl noch ein paar Jahre vergehen, bis ich online banking machen, mir ist das noch zu gefährlich. Und bei manchen Orten, an denen ich mich mal angemeldet habe, weiss ich das Passwort nicht mehr ;-))))

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    1. Ich bin seit drei Tagen total genervt von meinem Lappi….ich wollte nur etwas einscannen….mein Liebster benötigte eine halbe Stunde diverser Kniffe, updates usw. ehe ich scannen konnte. Und so geht das im Augenblick nur……..das kostet viel Kraft und Zeit….sei es das tablet meines Kindes, welches die Pin nicht annimmt, seien es die ständigen Sicherheitsantivierengedönse….ich schreibe total gerne, bin total gerne im Internet….aber ich bin auch etwas überfordert….es ist nicht für normale Menschen gemacht, die es einfach nur benutzen wollen….und diesen Frust habe ich mir etwas von der Seele geschrieben….nachdem ich es geschafft habe, hier hin zu kommen…😎

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      1. toll, dass Du es geschafft hast…ich weiss, was Du meinst, meine Maus klickt im Augenblick immer 2-3x, wenn ich etwas anklicke….das nervt auch total! Nur die Ruhe bewahren……kann ich DIr da nur empfehlen;-) und schön, dass Du wieder hier bist !!!

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      2. das geht jedem so, es ist als ob Du in ein fremdes Land ziehst, jeden Tag lernst Du neue Dinge kennen, alles erscheint DIr fremd und nach einiger (Eingewöhnungs)Zeit erscheint es Dir, als wärst Du schon immer da gewesen 😉

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  2. 😀 also ich musste bei der Geschichte auch schmunzeln – wie ähnlich sich doch jeder Gedanke – jedes Handeln und jede Panikattacke – am PC/Läppi/Handy für Skeptiker und Neuanfänger auslegen lässt –
    Nach 6 Jahren endlich habe ich es geschafft – mit Selbstsicherheit und guten Glaubens an die >>Dinger heran zu gehen – auch onlinebanking betrachte ich als eine Selbstverständlichkeit und ein >>Muss für Fortgeschrittene – wenn auf einem Dörfli die Bankfiliale weg radiert wurde – die Passwörter werden >>nicht<< gespeichert – sondern in einem Büchlein in die Schublade als Gedächtnisstütze hinterlegt –
    weiterhin viel Spaß bei der Abenteuerreise im Internet 😀

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  3. Ha super geschrieben! Ich lach mich tot!!!
    Das allerbeste daran ist, dass meine Mutter auch hilde heißt und im Moment mit ihrem neuen Smartphone, nebst Facebook und WhatsApp kämpft. 🙂 🙂 🙂
    Danke! You made my day!

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