Mobbing

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Beruflich wurde ich gemobbt, systematisch. Und nicht ich allein, sondern Kolleginnen in gleicher Position auch.

Das Gemeine daran war, dass ich es zunächst gar nicht gemerkt habe.

Mir wurde ständig gezeigt, was ich nicht gut machte….was ich besser machen könnte. Ich wurde oft dort eingesetzt, was ich nicht gut konnte….

Und ich Bravmensch habe immer an mir gearbeitet.

Wenn ich mich mal zur Wehr setzte, wurden meine Argumente verdreht, umgedreht, einem Spieß gleich auf mich gerichtet.

Dann war eine zeitlang Ruhe und ich glücklich.

Blühte auf. Fühlte mich wohl, dazugehörig.

Und es ging wieder los. Ich konnte kaum schlafen, wollte nicht mehr zur Arbeit, wurde deutlich aggressiver, konnte mich nicht abgrenzen. Meine Angst vor der Arbeit wuchs ins unermeßliche.

Mir wurde vermittelt, das nur ich allein an der Situation schuld wäre. Und ich hatte nie eine echte Chance.

Wenn nicht liebe Menschen außerhalb des Betriebes mich darauf hingewiesen hätten, dass so das Prinzip des Mobbings verläuft, wäre ich da nie raus gekommen.

Diesen Schritt schaffte ich. Das ist mittlerweile drei Jahre her. Und an meinem jetzigen Arbeitsplatz werde ich nicht gemobbt….aber das ich noch verwundet bin, geschädigt, merkte ich schnell. Denn ich traute mich nicht, meinen Standpunkt zu vertreten geschweige denn Kritik zu äußern.

Und fraß und fraß in mich hinein, bis ich explodierte, was wiederum sehr unangenehm war…..Später nahm ich mir allen Mut zusammen und sprach in Ruhe mit den Kollegen was mich bedrückte. Die Reaktion der Kollegen hat mir gezeigt, wie sehr ich noch geschädigt war. Sie hörten mir zu, sie gingen auf mich ein, sie fragten nach ob es mir jetzt besser gefällt, sie nahmen mich in den Arm.

Und genau das berührt mich. Ich kann da sehr schwer mit umgehen. Und weiß jetzt, das Menschen tatsächlich anders miteinander umgehen können.

Ich zeige meine Stärken, und das wird an dieser Arbeitsstelle gewünscht. Und ich traue mich meine Grenzen zu zeigen.

Das konnte ich früher einfach nicht. Deshalb war ich ein dankbares Opfer des Mobbings……..aber letzendlich bin ich da herausgekommen.

Aber nur weil ich mich nicht abgrenzen konnte, entschuldigt es nicht das systematische Mobbing von oben.

 

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27 Gedanken zu “Mobbing

  1. das ist ein verdammt perfides System, dieses Mobben.So wie Du es beschreibt, dauert es, bis man es ueberhaupt erkennt. Ich wuerde das Versagen auch auf mich beziehen….zum Glueck hast du jetzt einen besseren Job! Ich bewundere deine Offenheit, damit umzugehen.

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    1. Danke….ja Mobbing funktioniert ja so, dass das Opfer es nicht merken kann. Es liegt in der Luft und ist nicht zu greifen.
      Da es auch Kolleginnen betraf, konnte ich ein wenig Abstand gewinnen und das System erkennen….es ging gar nicht um Personen als solche….sondern Personen in bestimmten Positionen….jedenfalls an meiner alten Arbeitsstelle.

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      1. Es war nicht eine Person….es war eine Gruppe…. Nur das ich eine Weile da mitgemacht habe, gegen eine Kollegin und es erst spätermerkte, was ich da eigentlich tat……
        Es war ein Kindergarten. Und ich war Zweitkraft…..und fast alle Zweitkräfte gingen aus den gleichen Gründen….
        Weshalb die das machen, keine Ahnung. Ich glaube sogar, die wissen gar nicht was sie da tun.

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      2. Ja, ich bin total glücklich….aber erst durch dieses andere Umfeld fange ich an zu verstehen, was da eigentlich los war.
        Ich arbeite jetzt völlig ohne Druck und bin besser denn je…..vorher hatte ich nur das Gefühl der Verkrampfung und des nicht ich-sein-könnens…..

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  2. Ich kann Dir das so nachfühlen. Mir ist es nach 16 Jahren so ergangen. Da ich schwer krank wurde, bin ich ohnehin versetzt worden.
    Ich freue mich, dass es Dir jetzt besser geht. Vielleicht heilen die Wunden.

    Herzliche Grüße
    Sylvia

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      1. Nein, ich war 16 Jahre dort beschäftigt und es gab nie Probleme mit der Frau. Als ich auf Grund meiner Scheidung stark abgenommen habe, fing das an und ging ziemlich weit – viel zu weit.
        Da ich im öffentlichen Dienst beschäftigt war, zog das durch die Landeshauptstadt seine Bahnen ….

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      2. Am schlimmsten war für mich, dass ich genau zu dieser Zeit so krank wurde und mich ohnehin nur noch auf Arbeit schleppte und meine Leistung auf Grund der Krankheit nicht mehr so bringen konnte wie zuvor.
        Als dann unhaltbare Gerüchte zu mir drangen, wehrte ich mich bis hin zur Anzeige bei der Polizei.
        Danach jedoch brach ich zusammen. Ein Jahr später war ich dauerhaft arbeitsunfähig (Borreliose).

        Vielleicht wäre ich dagegen angekommen, wenn ich stärker gewesen wäre, aber ich war ohnehin nur noch ein „Strich in der Landschaft“ und hatte ein Kleinkind zu Hause. Da war halt nichts mehr zu machen.

        Doch im Nachhinein betrachtet bin ich froh, dass es so kam. Ich durfte in jener Zeit viel lernen, viel erfahren – auch über mich und ich wuchs über mich hinaus.
        Auch hatte es mir neue Türen geöffnet (nachdem ich nach 6 Jahren begann, langsam wieder kräftiger zu werden).

        Manchmal glaube ich wirklich, alles im Leben hat seinen Sinn. Nun ja, vielleicht nicht wirklich alles. Auf vieles könnten wir gern verzichten, oder? 😉

        Sei herzlich gegrüßt und ich finde es toll, dass Du so offen damit umgehst. Damit wächst DU! 🙂

        Sylvia

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      3. Das erlebe ich ähnlich wie du es beschrieben hast…..obwohl ich mir nicht sicher bin ob man sich gegen Mobbing wehren kann…
        aber letzendlich bin ich jetzt hier gelandet…durch mein Leben wie es ist und war….und in diesem Sinn glaub ich auch das Krisen Chancen beinhalten.
        Ich wurde auch krank….und nutzte die Chance mich beruflich neu zu orientieren und sprang ins kalte Wasser.

        Ja wir wachsen….geben Erfahrungen und Wertschätzung weiter.

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  3. Oh mein Gott, wie schrecklich! Ich wurde zwei Jahre in der Schule gemobbt von einem Kerl der später bei einem Klassentreffen zugab, dass er in mich verschossen war. Er hatte aber eine sauschlechte Idee, es mir zu zeigen 😦 War auch eine schreckliche Zeit für mich… er hat mich gezwungen, schlechte Noten zu schreiben (z.B. sonst schlägt er mich usw.) Und die sch*** ganze Klasse hat mitgemacht.
    Bis ich eines Tages zu ihm sagte: „Weißt du was? Heute kannst du mich mal verprügeln. Aber dann lässt du mich gefälligst in Ruhe und suchst dir einen anderen Deppen!“ Ich habe keine Schläge bekommen und ab dem Zeitpunkt ließ er mich in Ruhe- aber dieser Schritt hat mich Nächte gekostet… Meine Eltern meinten immer: „Ach, du übertreibst“ …
    In meiner Lehre dann war eine Mitarbeiterin, die meinte mich mobben zu müssen- zusammen mit einer Anderen, ihrer Mitläuferin. Aber ich setzte mich zur Wehr, ich schrie eines Tages meinen ganzen Frust heraus- so laut und unter so vielen Tränen, dass alle mich trösteten und M. und S. sehr lange „gemieden“ (fast gemobbt) wurden.
    Später hatte ich auch nochmal so ein Erlebnis, dort bin ich aber dann weg gegangen, denn gegen eine Vorgesetzte kommt man als einfache Verkäuferin nicht an. Aber vorher habe ich noch alles IHREM Chef gesagt. Sie arbeitet nun auch nicht mehr dort… hat es wohl noch mit anderen versucht ist aber nicht durchgekommen.

    Du siehst, liebe Gertrut- Idioten die sich gut fühlen, wenn sie andere schlecht machen, gibt es überall- leider! Das zeigt aber von einem enorm kleinen Selbstbewusstsein!
    Und DU bist toll! ❤

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      1. Es geht nur so! Aber diesen Leuten muss man etwas entgegensetzen, sonst machen sie es beim Nachfolger wieder und wieder!
        Ich würde gerne wieder zu der einen Arbeitsstelle zurück kehren, aber was steht dem im Weg? Die Uhrzeiten… *grrr*

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  4. Gerade vor ein paar Tagen wurde ich wieder daran erinnert, dass vom systematischen Mobbing empfindliche Narben bleiben. Bei mir liegt es inzwischen acht Jahre zurück. Ich hatte beruflich eine harte Zeit, in der ich sehr begrenzzt wurde. Mir fehlen Erfahrungen, und das Selbstbewusstsein ist nachhaltig beschädigt, auch wenn sich zum Glück das Blatt wieder zum Positiven gedreht hat. Mein Alter kommt hinzu. Ich bin nicht mehr so schnell, brauche Zeit, mich zu orientieren. Aber vier Jahre kann ich jgut noch aushalten. Dann gehts in die Rente-

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